Samstag, 22. Februar – Samstag, 07. März 2020   

In regelmäßigen Abständen organisiert der BMW GS Club International e.V. eine gemeinsame, große Reise zu einem besonderen Ziel. Besonders deswegen, weil nur wenige Mitglieder auf eigene Faust in ferne Länder oder unbekannte Landstriche reisen würden. Land und Leute kennenzulernen ist für uns als Club dabei ein wesentlicher Aspekt. Auf unseren jährlichen Jahreshauptversammlungen werden diesbezüglich Ideen und konkrete Vorschläge diskutiert und zur Abstimmung gebracht. In 2019 war der gemeinsame Tenor für die Reise in 2020 Südafrika.

Im gleichen Zeitraum hatte Peter Kistner, Kassenwart und Finanzvorstand unseres Clubs, eine zufällige, jedoch wegweisende Email-Korrespondenz sowie ein anschließendes Treffen mit Herrmann Kistner, ebenfalls Vorstand für Finanzen im BMW Club Durban. Durch den Namensvetter mit dem gleichen Job bekamen wir Kontakt zu einem weitern Mitglied des BMW Club Durban, David Scates. Dave hat eine Leidenschaft für das Abenteuer-Motorradfahren, lebt nahe Durban und startete Switchback Adventures (https://switchbackadventures.co.za), um Menschen zu ermutigen und zu unterstützen, das südliche Afrika zu erkunden. In 2010 kaufte Dave seine erste GS und begann anderen auf dem Motorrad sein wunderbares Land zu zeigen. Er mag es, mit Menschen zu interagieren und neue Freundschaften aufzubauen. Für uns ein unschätzbarer Partner und Kontakt, denn Dave hat uns vor Ort nicht nur die Routen ausgearbeitet, sondern auch unsere GS-Leih-Motorräder klar gemacht (entsprechend allen individuellen Bedürfnissen), die Hotels gebucht und für alle Strecken ganz individuelle Routen erarbeitet – sowohl auf Asphalt als auch Schotter, sowohl für Greenhorns wie für „experienced motorcyclists“. Wie sehr Dave und seine Mitarbeiter uns auf dieser Reise ans Herz gewachsen sind, lest ihr in den folgenden Abschnitten. 

Das Resultat nach vielen Telefonaten zwischen den Kontinenten, einem persönlichen Treffen mit Dave in München und einem finalen online-Meeting: 

„on tour“ mit 30 guys, 2 girls, 1 Toyota Pick-up, 2 Tour-Guides, 1 Gepäckfahrzeug und 1 Ersatzmotorrad geht es über eine ca. 3000 km lange Strecke von Kapstadt über Montagu, Calitzdorp, Prinz Albert, Stytlerville bis zum Addo Elephant Park, dann über Knysna, Oudtshoorn, Swellendam, Caledon, Franschhoek zurück nach Capetown. Was für ein Abenteuer!

Es ist eine gemeinsame Tour mit unseren Biker-Freunden aus Island (Johannes, Gudmundur, Skuli, Einar, Eggert, Grimur und Axel) durch den Südosten des afrikanischen Kontinents. Wir sehen Highlights wie den Tafelberg in Kapstadt, einige Wildparks in der Hoffnung auf die Big Fives, den südlichsten Punkt Afrikas und das Kap der guten Hoffnung. Doch auch so viel anderes. Unser Bikerherz schlägt hoch, wenn wir fantastische Fahrten durch die Karoo auf wunderschönen Schotterstraßen machen und gigantische Pässe überqueren, auch mal alternativ auf Teer. Die Eindrücke dieses Kontinents und vor allem das gemeinsame Erlebnis jedes einzelnen Tages sind etwas ganz Besonderes. Dave hat es zusammengefasst: „It was a very special time that we all shared together on our bikes, we did making stories“. Und diese Stories sollen für jeden einzelnen Tag dieser Reise mit einem Film und eben diesem Bericht in Erinnerung bleiben. 

Samstag, 22. Februar Kapstadt

Auftakt: Treffpunkt aller Teilnehmer und Barbecue mit dem BMW-Club Cape Town

Einige von uns haben das Adventure Südafrika genutzt und sind früher angereist, um Kapstadt und Umgebung zu erkunden. Andere sind mit einem Direktflug oder über abenteuerliche Zwischen-Stops wie Istanbul und Dubai, weil preisgünstiger, angereist. Aber alle Teilnehmer waren pünktlich am Samstag im Protea Hotel Fire and Ice, einem Hotel mit Blick auf den Tafelberg und Lions-Head, bei 22° Grad Celsius und leichtem Nieselregen.  

Treffpunkt mit großem Hallo war dann in der Lobby um 17.15. Der Auftakt unserer Reise war ein von Dave arrangierter Abend mit ein paar Jungs und Mädels vom BMW Club Cape Town bei Moto Adventure zum Barbecue. Wir wurden mit einem Bus abgeholt und fanden uns wieder in einer absolut coolen Location: die Pomphuis. Eine Oase mit Schwimmteich, ein skurriles Vereinsheim mit riesigem Grill, einer Bar mit tausend Kuriositäten an Wänden und Decken wie beispielsweise einem Kudu-Kopf mit Hawaii-Girlande, oranger Sonnenbrille und blonder Perücke. Es gab gegrilltes Lamm und eine scharfe Lamm-Wurst. Nicht jedermanns Sache, gell Markus, aber ein toller Auftakt für unsere Reise und ein unvergesslicher erster Abend.

Sonntag, 23. Februar: Kapstadt bis Montagu – unser erster Tourtag

Vorfreude. Jetzt geht es los. Wir starten vom Fire and Ice, eingepfercht in Kleinbusse, zur Abholung unserer Leihmotorräder bei GS Africa Hire und Motorrad Executive. Alles ist umgepackt: Das kleine Gepäck für die Motorräder anbei, das große Gepäck verstaut auf dem Pickup von Daves Mitarbeitern Steve und Jayne. Jetzt wird mir klar, warum alles wasserfest sein musste. Unser Gepäck kommt auf die Ladefläche und auf das Dach des Pickups.

Spannung: Abholung der Motorräder, letztes Handanlegen an noch benötigte Navi-Halterungen, an erhöhte oder erniedrigte Sitzbänke, an falsch eingestellte Außenspiegel, an die Check-Ups der verliehenen Maschinen. Aber jetzt lasst uns fahren. Der Sound von 32 Maschinen ist phänomenal. Linksverkehr – ein roter Pfeil “keep left“ am Windschild der Motorräder soll uns warnen und stets ermahnen. Wir fahren im Konvoi. Die ersten Eindrücke von Südafrika streifen uns auf der Fahrt zu unserem ersten Stop in Montagu – auf Teer und quasi Autobahnen – vorbei an den ersten Townships. Umso relaxter ist unser Ankommen im Montagu Avalon Spa (Avalon Springs Resort in the Western Cape).

Im 35 Grad warmen Swimmingpool (Hot Springs) ist jetzt nicht unbedingt Abkühlung angesagt. Aber das Hotel hat tolle Mountain Chalets, steil zu Fuß, aber mit einem irren Blick auf die Berge. Hier beginnt nun wirklich unsere Reise. Ab morgen schlucken wir Staub auf den heiß ersehnten Schotterpisten und freuen uns riesig darauf.

Montag, 24. Februar: Montagu bis Calitzdorp

Heute war der erste richtige Schottertag angesagt und alle haben Ihre GS in den Staub und in den Dreck gefahren. Harald – Dirty Harry – unser zweiter Vorstand, musste verletzungsbedingt auf einen Pick-up-Mietwagen umsteigen. Wir wissen alle, dass ihm das Herz geblutet hat, nicht im Sattel sitzen zu können. Daher ein riesen Respekt für die Tatsache, dass für Harald dabei sein alles ist! Staub geschluckt hat auch er reichlich und mit dem Pick-up jede Menge erlebt. Die heutige ca. 300 km Strecke beginnt für Harald auf Asphalt und führt ihn direkt zu Ronnies Sex Shop. Ein echt schräger Laden auf der Route 62 von Kapstadt nach Port Elizabeth. Vor über 20 Jahren kam Ronnie in diese einsame Gegend, um Lebensmittel zu verkaufen. Seine Freunde erweiterten den Namen „Ronnies Shop“ durch das Wort Sex. Doch von Sexshop kann hier nicht die Rede sein. Verkauft werden Bier und Schnaps. In der Kneipe hängen Hunderte BHs von der Decke. Sie sind aber weniger erotisches Spielzeug als vielmehr Ronnies liebste Trophäen. Ronnie hat allen Ernstes Dirty Harry für 2 Millionen (Rand nicht €) seinen Laden, sein Land und seine Frau angeboten. Harald meinte, er denkt darüber nach! 

Wir Biker hatten dagegen eine erste Begegnung mit der „Kleinen Karoo“. Die ersten wilden Tiere (Affen, Springböcke und Vogel Strauß). Über private Game Farms kamen wir zu Seweweeks Poort, dem wahrscheinlich schönsten 18 km langen Schotterweg in ganz Südafrika. Mit leichten Gefällen, mehreren Flussüberquerungen und umwerfenden Aussichten, ist diese Straße eine absolutes „must do“ in Südafrika. 

Am Ende der Tour ging‘s dann durch das Swartberg-Gebirge bis nach Calitzdorp. Ein wunderschöner Weg durch eine sehr grüne und bizarre Schlucht mit Wasserdurchfahrt. Angekommen in Calitzdorp, wurden wir auf vier Übernachtungsmöglichkeiten aufgeteilt. Das Karoo Life B&B, The Queen of Calitzdorp, das Port Wine Guest House und Die Dorpshuis. 

Abends waren wir in De Krans Wine Estate, einem Weingut 900 m außerhalb von Calitzdorp Essen. Ein lauer Abend, eine weinumrankte Pergola im Garten, ein tolles Essen, exzellenter Wein, den übrigens die Franzosen ins Land gebracht haben, und dementsprechend ein feuchtfröhlicher Abend. 

Dienstag, 25. Februar: Calitzdorp bis Prince Albert

Tag 3 der Tour war in jeder Hinsicht ein Motorrad-Highlight. 

Das erste Highlight: der Meiringspoort Waterfall. Die Schönheit der Gegend zeigt sich als Tor zwischen der Klein Karoo und der Groot Karoo, ungefähr eine Autostunde von George und Oudtshoorn entfernt. Die Isländer meinten allerdings, es wäre eher ein Reinfall statt ein Wasserfall. Trotzdem hat sich der Weg in voller Motorradkluft bei über 35 Grad Hitze gelohnt. Nicht nur der grandiose Ausblick auf die bizarren Felsformationen war ein Genuss, auch das Wasser war erfrischend und der Acapulco-Klippensprung von Reinhard legendär. Die Anfahrt traumhaft: erste richtige Kurven auf Asphalt über den beeindruckenden Meiringspoort Pass, eine tiefe Schlucht inmitten der Swartberg Mountains zwischen De Rust und Prince Albert.

Zwischen Oudtshoorn und Prince Albert befindet sich die wunderschöne Gebirgskette der Swartberge. Über eine unasphaltierte Passstraße geht es über den berühmten Swartberg Pass, der zu den spektakulärsten Bergpässen Südafrikas zählt. Hinter jeder Kurve verbirgt sich ein neuer atemberaubender Ausblick – unvergessliche Fotomotive warten. Die ca. 27km lange Schotterpiste erreicht eine Gesamthöhe von 1583 Metern. 

Dann geht es abwärts nach Prince Albert (im District Central Karoo), durch traumhaft schöne Schluchten, auf kleinen engen Schotterwegen. Alles ist grün und fruchtbar. Das lockere Geröll und das anstrengende Fahren im Stehen zum Gipfel des Swartberg Passes sind vergessen. Hier hat man nur Augen für eine überwältigende Sicht auf die Weite der Berggipfel und den schlangenförmigen Verlauf der Piste ins Tal. 

Angekommen im Swartberg Hotel, das eine über 150 Jahre alte Geschichte hat und mitten im Herzen der kleinen Stadt Prince Albert liegt, hat es spätestens jetzt jeden von uns erwischt: der Zauber Südafrikas – und das Privileg, diesen Zauber auch noch mit unserem Hobby auf zwei Rädern verbinden zu dürfen. Und ob der Pool im Hotel eher schwarz als klar aussieht und die Belegung der Bungalows sich als nervig herausstellt und Frank D. mal kurz das Zimmer unter Wasser setzt, weil kein Wasser kommt, er aber vorsichtshalber alle verfügbaren Hähne aufdreht, ist absolute Nebensache – wenn auch erwähnenswert.

Mittwoch, 26. Februar: Prince Albert bis Steytlerville

Heute zeigt sich, wer im schweren Gelände seine Maschine beherrscht und wer in Hechlingen das offroad-Training als Leidenschaft und nicht als Qual absolviert hat. Die relativ gerade, aber schwierige 245km-Piste von Prince Albert nach Steytlerville hat bereits in der Startphase tiefe Sandpassagen. Während sich die Jungs und Mädels auf Ihren Mopeds mühen und der Bock den ein oder anderen abwirft, ist Harry mit seinem Toyota mühelos durchgecruist. Immer wieder Motorräder aufheben und in sandigen Passagen gegensteuern – das kostet Kraft. 

Warm und staubig war’s – jedenfalls auf dem Moped bei zeitweise über 40 Grad. Wie gut, dass es dann mittags bei Sophie’s Coffe Shop in Willowmore kühle Milchshakes und klasse Kuchen gab. Sophie’s Choice ist nicht nur ein kulinarisches Highlight, sondern im Inneren ein monströses Museum mit Antiquitäten, Raritäten und Kuriositäten. 

Auf dem zweiten Teil der Strecke werden die Sandpassagen weniger, dafür erleben wir Vorzeige-Schildkröten am Wegesrand der Schotterpiste. Entlang der Strecke passieren wir private Game Reserves – immer wieder müssen auf den Pisten Gatter geöffnet und geschlossen werden. Anschließend ging es relativ gerade aus und mit Highspeed nach Steytlerville.

Die heutige Tour war fahrtechnisch herausfordernd. Sandpassagen zu langsam zu durchfahren ist der Garant für sanftes Absteigen; zu schnell der Garant für Acapulco-Fans. Unser Tourguide Dave hat Letzteres gemacht und ist jetzt im Hospital in George. Dave hat sich das Schlüsselbein und eine Rippe gebrochen, ist aber erstmal „strong enough“ mit seinen Blessuren bis Willowmore durchgefahren. Dort haben Steve und Jayne seine Maschine auf den Hänger geladen und ihn umgehend ins Krankenhaus gebracht. 

Der Service einer solchen Reise, dass dir dein Gepäck quasi ins Hotel vorausfährt, ist Luxus. Aber erste Hilfe bei Unfällen geht immer vor. Da kann es schon mal passieren, dass eben kein Gepäck da ist und man in Unterhose und muffigem T-Shirt zum Abendessen geht. Geht alles. Wir wissen Dave in guten Händen und sind froh, dass nicht mehr passiert ist. 

Kurios war übrigens die Pfütze an Swimmingpool im Royal Hotel und die rollbaren Elektroheizkörper in den Zimmern bei gefühlten 40 Grad. Zudem waren Max und Frank D. heute sandbefreit, weil Max Navi den Start- und Zielpunkt verwechselt hat. Und plötzlich waren sie wieder in Prince Albert zum Mittagessen im selben Hotel der letzten Nacht. 

Die heutigen Hotels: Royal Hotel Steytlerville, Steytlerville Villa Guest House, Karoo Oasis

Donnerstag, 27. Februar: Steytlerville bis Addo Elephant Park 

(Addo Main Rest Camp am Addo Elephant Park)

Heute ist ein kurzer GS-Reittag, „easy going on standard and extra gravel road“ nach drei langen heißen Tagen. Es geht, zum Teil etwas langweilig, viel gerade aus.

Von Südafrikas beeindruckender Tierwelt sind wir ein bisschen enttäuscht: so viel Platz für wilde Tiere und was sehen wir? Ziegen, Schildkröten, ein paar Affen auf Zäunen und Schafe ohne Ende. Kurz vor Addo gab es dann tatsächlich einen Fluss, der Wasser hatte. Und prompt ist es auch deutlich grüner geworden, um uns herum sehen wir Plantagen mit Äpfeln und Citrusfrüchten. Aber auch die Not der Einheimischen an der letzten Tankstelle vor dem Park, die arbeitslos, hoffnungslos und teilweise zu gedröhnt in Spielhallen und Spirituosenläden ihr Dasein fristen. Das ist der bittere Beigeschmack dieser Reise durch Südafrika, die uns immer wieder durch Townships, an endlosen Friedhöfen und eben solchen tristen Plätzen vorbei führt. Wir fahren in ein Camp, das uns Touristen eingezäunt beschützt und uns mit seinen luxuriös eingerichteten Cottages, gebaut auf hohen Holzstelzen mit einer Aussichtsterrasse, die ihresgleichen sucht, verwöhnt. Die weißen Handtücher hat man als Schwäne auf unser Bett drapiert.

Am Ortsausgang hat‘s dann auf der Straße gebrannt. Die einheimischen Schwarzen haben mit Reifen Blockaden gebaut und diese angezündet. Eine Protestaktion, weil ihnen Wasser und Strom abgestellt wurden; später im Park haben wir dann verstanden weswegen gestreikt wird: Es geht um die Arbeitsbedingungen und den krassen unterschiedlichen Lebensstandard zwischen Weiß und Schwarz. Im Restaurant des Parks gab’s daher nur eine Notbesetzung, aber selbst die hat uns liebevoll umsorgt und sich für uns ein Bein ausgerissen – und das mit bester Laune und einem Lächeln. Burger, Steak und Salat waren mehr als klasse. Und kurz vor dem Abendessen kam das Unvorstellbare: Es regnet in Südafrika – und zwar fast die ganze Nacht hindurch! 

Der Addo-Elefanten-Nationalpark liegt im Distrikt Sarah Baartman, im westlichen Teil der Provinz Ostkap in Südafrika, 70 Kilometer nordöstlich von Port Elizabeth im Sundays River Valley. Der Elefanten-Nationalpark ist mit 1640 km² der größte Nationalpark im Ostkap. Er wurde 1931 zum Schutz der elf letzten überlebenden Elefanten der Region eingerichtet. Die Population hat sich heute erholt und man schätzt alleine die Anzahl der Elefanten auf über 600. Der Addo gehört zur staatlichen Organisation South African National Parks (SAN Parks) und ist der drittgrößte Nationalpark Südafrikas.

Eine Gruppe ist nachmittags mit Harald noch im Toyota auf eigene Faust los und wenn sie nicht geflunkert haben, dann haben sie bis auf Löwen, Nashörner und Hyänen alles gesehen was der Park zu bieten hat – Zebras, Antilopen, Kudus, Springböcke, Warzenscheine, Büffel und eine Elefantenherde.

Freitag, 28. Februar: Ein Tag zur freien Verfügung im Addo Elephant Park

Gestern Abend hatte es angefangen zu regnen. Aus den 40°+ sind in weniger als 10 Stunden 15° geworden. Der Tag beginnt um 5:30 mit einer Sunrise-Safari. Aufgeteilt auf zwei Jeeps, gefahren von jeweils erfahrenen Ranchern, haben nicht beide Gruppen die gleichen Tiere gesehen. Mit dabei waren jedoch Antilopen, Zebras, ein Elefant von weitem, und völlig überraschend ein Rhino. Von denen gibt es nicht mehr viele und zu sehen sind sie sehr selten. Die Krönung waren jedoch zwei Löwen, die prospektreif direkt vor uns neben dem Weg lagen: Jack und Jill sind zwei von 7 ansässigen Löwen im Park. Mit mindestens 16 h Schlaf am Tag könnte ich mich auch anfreunden. 

Wir waren in den offenen Jeeps dann einfach nur noch durchgefroren. Der frühe Ausflug in der ungewohnten Kälte war auf jeden Fall spannend, auch wenn sich die 600 Elefanten uns nicht vorgestellt haben.

Nachdem es im Parkrestaurant aufgrund der Streiks doch noch ein provisorisches Frühstück gab, haben sich Peter, Frank, Max und Bärbel dazu entschlossen mit Harald nach Port Elizabeth zu fahren, das nicht auf unserer morgigen Route liegt. Port Elizabeth nimmt am Ufer der Algoa Bay eine einzigartige Lage ein, ist die fünftgrößte Stadt Südafrikas und die größte an der Küste zwischen Kapstadt und Durban. Ganz am Ende von Port Elizabeth gibt es ein wunderschönes Naturschutzgebiet mit einem Leuchtturm direkt an einem naturbelassenen, felseneingerahmten Sandstrand, den wir ausgiebig mit vielen Fotomotiven genossen haben. Die Stadt selbst hat uns eher enttäuscht – eine einzige Einkaufsstraße befüllt mit tausenden von Menschen…wenig idyllisch. 

Alternativ sind Peter, Reinhard, Justus, Markus und Richard nochmals mit einem Pkw in den Park gefahren; Frank, Floh und Adrian haben den Park auf dem Zuurberg loop mit den Motorrädern umrundet. Es gibt einen Zuurberg-Wanderweg, einen 11,3 Kilometer langen Rundweg in der Nähe von Riebeeck East, Ostkap, der eine malerische Aussicht bietet. Diesen kann man auch mit dem Motorrad fahren, allerdings ist der Weg ziemlich felsig. Der Rest von uns hat sich ausgeruht, die Stille und mannigfaltige Natur im Rest Camp aufgesaugt und Energie für den morgigen Tag getankt.

Alternativ sind Peter, Reinhard, Justus, Markus und Richard nochmals mit einem Pkw in den Park gefahren; Frank, Floh und Adrian haben den Park auf dem Zuurberg loop mit den Motorrädern umrundet. Es gibt einen Zuurberg-Wanderweg, einen 11,3 Kilometer langen Rundweg in der Nähe von Riebeeck East, Ostkap, der eine malerische Aussicht bietet. Diesen kann man auch mit dem Motorrad fahren, allerdings ist der Weg ziemlich felsig. Der Rest von uns hat sich ausgeruht, die Stille und mannigfaltige Natur im Rest Camp aufgesaugt und Energie für den morgigen Tag getankt.

Alternativ sind Peter, Reinhard, Justus, Markus und Richard nochmals mit einem Pkw in den Park gefahren; Frank, Floh und Adrian haben den Park auf dem Zuurberg loop mit den Motorrädern umrundet. Es gibt einen Zuurberg-Wanderweg, einen 11,3 Kilometer langen Rundweg in der Nähe von Riebeeck East, Ostkap, der eine malerische Aussicht bietet. Diesen kann man auch mit dem Motorrad fahren, allerdings ist der Weg ziemlich felsig. Der Rest von uns hat sich ausgeruht, die Stille und mannigfaltige Natur im Rest Camp aufgesaugt und Energie für den morgigen Tag getankt.

Abends um 19.00 Uhr haben wir dann noch einen „Night Game Drive“ gemacht, diesmal so richtig warm angezogen. Die Tiere waren jedoch genauso wie wir im Halbschlaf, es war nicht wirklich spektakulär. Vor dem Abendessen hatten wir noch ein Fotoshooting im Museum des Parks. Dort hängt ein gewaltiger, beindruckender Elefantenschädel an der Wand, vor dem wir uns zu einem Gruppenbild postiert haben. Dave hat für uns alle GS-Club-Südafrika-Shirts besorgt. Für die meisten griffbereit, nicht so für Max. Aus dem verdreckten Pick-up von Harald kam vor dem vereinbarten Foto-Termin ein verstaubter Koffer zum Vorschein. Max Koffer. Nach mehrmaliger Entstaubung war auch in diesem Koffer kein GS-Shirt zu finden. Ich hab selten so gelacht. Max, du hast nie einen Plan!

Samstag, 29. Februar: Addo Elephant Park bis Knysna

Heute steht die längste Etappe mit 365 km an. Es geht runter ans Meer und dann ein gutes Stück über die legendäre Garden Route so langsam wieder Richtung Kapstadt. Die meisten von uns nehmen von den beiden angebotenen Optionen heute die Teerstraße, weil uns auf dieser Strecke zahlreiche Highlights erwarten.

Auch die Gegensätze Südafrikas werden auf dieser heutigen Tour mehr als sichtbar. Im Landesinneren fahren wir noch an zahlreichen großflächigen Townships vorbei. Es sind Hütten aus Wellblech, Kartons  und sonstigen fragwürdigen Materialen, von Wasser und Hygiene keine Spur. Im Gegensatz dazu stehen die Luxusvillen von der Jeffreys Bay bis zur berühmten Plettenberg Bay am Meer. Deutlicher als auf dieser Etappe kann der Unterschied zwischen Schwarzen und Weißen nicht sein.

Unser erster großer Stop führt uns zum Storm River Mouth Trail im Tsitsikamma Nationalpark. Dieser wunderschöne Wanderpfad ist knapp 2 Kilometer lang und führt zur Suspension Bridge, einer wirklich beeindruckenden 77 Meter langen Hängebrücke über der Mündung des Storm River. Der Weg verläuft über Holzbohlen, um Felsklippen herum und begeistert mit immer neuen Ausblicken auf den rauen indischen Ozean mit seinen felsigen Stränden und seiner ursprünglichen Natur. 

Nachdem wir uns heute mehr oder weniger alle gemeinsam auf derselben Strecke bewegen, ist es eine absolute Herausforderung mit 20/30 Bikern den Eintritt in den Nationalpark zu bewältigen. Die Südafrikaner sind zwar dabei ziemlich entspannt, aber bei mal wieder über 35 Grad in der Sonne sind wir das nicht.  

Nervenkitzel pur verursacht uns der nächste Stop an der Bloukrans River Bridge, 40 km östlich von Plettenberg Bay. Mit 216 Metern Höhe und einer Spannweite von über 272 Metern ist die „Regenbogenbrücke“ für sich schon ein beeindruckender Anblick. Sie ist die unangefochtene Königin unter den Brückenbauten Afrikas und wird deswegen als Eldorado und Adrenalin-Schocker der Bungee-Jumper angesehen. Eine entsprechende Infrastruktur ist deswegen östlich der Brücke eingerichtet: Souvenirläden, Inforaum über den Bau der Brücke, Backpacker-Lodge und Aussichtsplattform. Und von dieser Aussichtsterrasse aus bzw. zeitgleich auf einem riesigen Flatscreen-Bildschirm haben wir unseren Reinhard live und in Farbe springen sehen. Er traut sich den 160 m Meter freien Fall von der Brücke in die Schlucht – und das in 4 Sekunden; 50 Meter über dem Flussbett wird er dann wieder vom Seil nach oben katapultiert und baumelt anschließend in luftiger Höhe um sich selbst. In der Zwischenzeit seilt sich ein Mitarbeiter vom Brückenrand ab und sichert Reinhard an einem zweiten Seil. Gemeinsam werden sie wieder nach oben gezogen und das Abenteuer ist vorbei. Um übrigens überhaupt auf den höchsten Punkt der Brücke zu kommen, besteht der Nervenkitzel aus einem 200 Meter langen Flying Fox Cable Slide (in Südafrika als Foofie Slide bekannt). Respekt Reinhard, du bist unser Held! Wir hingen alle entweder sprachlos am Fernseher oder auf der Aussichtsplattform. 

Nachdem mit dem letzten Event natürlich schon der ganze Nachmittag weit fortgeschritten war, ging es dann noch zur Plettenberg Bay – ein beliebtes, aber auch sehr touristisches Küstenstädtchen an der Garden Route mit kilometerlangen Stränden. Westlich der Stadt liegt die Robberg-Halbinsel, Naturschutzgebiet und Heimat einer großen Robbenkolonie. Für das Wale- und Delphine-Watching während der Paarungszeit zwischen Juli und Dezember waren wir leider zu früh dran. Entschädigt hat uns auf jeden Fall der Ausblick vom Signal Hill oberhalb des Ortes, der eine unvergessliche Panorama-Aussicht auf Plettenberg Bay und die Küste gibt. 


Und weil’s noch nicht genug für den Tag war und einige schon auf Schotterentzug sind nach dem vielen Teer, haben sich ein paar Hartgesottene noch dazu entschlossen, über den Zubringer der R340 das letzte Stück des Prinz Alfred Passes direkt nach Knysna zu fahren. Nicht ganz ungefährlich, denn die Dämmerung hat bereits eingesetzt und zwei Drittel des Passes führen zudem noch durch einen dichten Wald. Da bist du froh, wenn du im Dunkeln noch dein Hotel findest und fällst völlig fertig vom Bike. Übrigens kam eine Gruppe von uns zum ersten Mal kurz vor Knysna in eine Polizeikontrolle. Das einzige Mal überhaupt auf der ganzen Tour.

In Knysna geht es abends an die Waterfront ins South 34 zum Abendessen. Ein tolles Lokal mit Blick auf den Hafen. Michael und Jürgen essen mal so locker eine Fischplatte für zwei Personen – Energiebedarf nach diesem grandiosen Tag!

Unsere Hotels für den heutigen Abend: Knysna Wayside Inn und Knysna Manor House Guesthouse

Sonntag, 01. März: Knysna bis Oudtshoorn

Nur 147 km stehen heute auf der Agenda. Ein kurzer Trip also, den einige mit einem Abstecher an die Mossel Bay erweitern. Dann jedoch geht es wieder ins Landesinnere und auf die legendären Schotterstraßen der Seven Passes Road durch ein tolles Waldgebiet gefolgt vom Montagu Pass, der ältesten unveränderten Passstraße Südafrikas. Hier geht es nicht um Kilometer und Zeit. Die Eindrücke sind so überwältigend, dass wir immer wieder stehen bleiben und einfach nur mit großen Augen staunen.

Die „Seven Passes Road“ wird als die wahre Garden Route mit Eingang zur Bergwelt Südafrikas bezeichnet: die historische Seven Pass Road war die Hauptverbindungsstrecke zwischen George und Knysna, bis im Jahre 1952 die neue Nationalstraße N2 eröffnet wurde. Diese landschaftlich reizvolle Nebenstrecke führt durch das Hinterland – meist auf einem Hochplateau parallel zu Füßen der Outeniqua Bergkette im Norden und dem Indischen Ozean im Süden. Man fährt durch ländliche Gegend mit Farmwirtschaft und Weideland, mit friedlich grasenden Kühen und immer wieder durchfährt man Schluchten und Täler mit ausgedehnten Waldgebieten.

Die „Seven Passes Road“ beinhaltet eigentlich 8 Pässe, wie folgt (von Knysna im Osten aus gesehen Richtung George im Westen).

  1. Phantom Pass
  2. Homtini Pass (Goukamma River Pass)
  3. Karatara Pass
  4. Hoogekraal Pass
  5. Touw River Pass (Duiwelskop Pass)
  6. Silver River Pass
  7. Kaaimansgat Pass
  8. Black River Pass (Swartriver Pass)

Die Tour auf der historischen Old Cape Route zwischen Knysna und George dauert etwa 2 1/2 Stunden ohne Aufenthalt. Nur wenige Abschnitte sind geteert, die Hauptstrecke ist eine Schotterstraße, die normalerweise gut auch mit einem normalen PKW befahrbar ist. Ein besonderes Erlebnis ist the Tea Junxion, mitten im nirgendwo bei Erf 357 Whites, Wilderness Heights. Ein kleines Haus mit einem faszinierenden Garten unter magischen Bäumen mit Blick auf das majestätische Outeniqua-Gebirge, eine Oase der Ruhe und der Stille. Es gibt Tee (gefühlt 100 Sorten), Kaffee und den besten Apfel- und Karottenkuchen, den ich je gegessen habe. Das alles frisch aus dem Ofen!

Aus der Isländer-Truppe hat Johannes heute eine Kurve zu schnell genommen und ist buchstäblich im Graben gelandet – quasi über die Böschung hinein in den Busch. Weder er noch das Motorrad haben einen einzigen Kratzer abbekommen und hatten das Glück, dass ein vorbeifahrender Pick-up, eine Winde dabei hatte, mit der das Motorrad unter Mithilfe aller Beteiligten geborgen werden konnte. Es ist nichts passiert – was für ein Glück!

Angekommen in Oudtshoorn sind wir ein wenig enttäuscht von der Stadt, die so gar keinen historischen Stadtkern hat und nur vom Tourismus außerhalb gelegener Attraktionen lebt. Aber das El Dorado Accomodation ist ein Hotel auf europäischem Niveau – eine weitläufige Anlage mit vielen kleinen, gut ausgestatteten Bungalows/Lodges mit Parkplätzen für Autos und Motorräder direkt vor der Haustür. Dazu eine schöne Poolanlage. Zum Abendessen sind wir in die Stadt gelaufen – Dinner at various restaurants in town.

Montag, 02. Zweiter Tag in Oudtshoorn und der legendäre ride to Die Hel

Spiel mir das Lied vom Tod: Driving Die Hel, the South Africa’s Road To Hell 

Der freie Tag in Oudtshoorn bietet viele Möglichkeiten, den Tag zu gestalten. Die Fahrt nach Die Hel hat nichts mit der Hölle zu tun, allerdings definiert sie sich in allen Foren als dangerous road, eine herausfordernde Offroad Passage. 

Der Gamkaskloof, auch bekannt als Die Hel, ist ein schmales, isoliertes Tal, etwa 20 Kilometer lang und maximal 600 Meter breit. Das Tal befindet sich in der Swartberg-Bergkette, die Teil der Gemeinde Garden Route District in der Provinz Westkap in Südafrika ist. Die Straße liegt in den Swartbergen und ist 37 km lang. Die erwartete Fahrzeit beträgt circa 2 Stunden. Die Hel ist ein abgelegenes Tal in den Swartberg-Bergen zwischen Oudtshoorn und Prince Albert, das nur über eine ziemlich kleine, enge und steinige Schotterstraße erreichbar und während der Regenzeit gänzlich abgeschnitten ist, wenn der Gamka-Fluss über die Ufer tritt. Am Ende der Strecke, auf der fahrtechnisch von Steinen, Sand und Haarnadelkurven alles geboten ist (es gibt 51 Biegungen, Ecken und Kurven auf diesem Abschnitt, davon sind 5 volle Haarnadelkurven, die letzte davon krümmt sich 270 Grad), wie eigentlich überall in den kargen Regionen, trifft man trotzdem auf Leben:

Annetjie Joubert hat schon jede Menge erlebt. Sie ist die einzige waschechte, verbliebene Bewohnerin mit Grundstückbesitz in Gamkaskloof. Sie wandelte ihren Bauernhof in zwei komfortable Gästehäuser um, betreibt einen Caravan Park mit Campingplätzen am Eingang zur Kloof sowie den einzigen Kiosk. Daneben gibt es ein lizenziertes Busch-Restaurant namens „De Oude Klowers Plaaskombuis“.

 Unsere Die Hel-Rider kommen gegen Spätnachmittag erschöpft, aber glücklich nach Hause. Bis auf einen Abflug von Robert über den Lenker in einer Sandpassage ist niemandem etwas passiert. Robert hat sich wahrscheinlich einige Rippen geprellt, nimmt das aber männlich tapfer. 

Alternative Gestaltung: Cango Caves, Ostrich farms and Cango Wildlife Ranch

Der Rest unserer Gruppe hat sich heute für die Highlights der Gegend entschieden. Die Cango Caves sind ein Höhlensystem in der südafrikanischen Provinz Westkap und werden zu den schönsten Höhlensystemen der Welt gezählt. Die Höhlen liegen in den Swartbergen und bestehen aus drei Abschnitten mit einer Gesamtlänge von über vier Kilometern. 

Alle Höhlen enthalten bizarre Tropfstein-Formationen von beeindruckender Größe: Stalaktiten, Stalagmiten und auch ein paar Orgeln waren dabei. Zwei Abschnitte sind geschützt und nicht öffentlich zugänglich. Die Cango Caves liegen 29 Kilometer nördlich von Oudtshoorn an der R 328. Es war angenehm kühl auf unserer Heritage Tour mit unserer englischsprechenden „Höhlenführerin“, die mit uns und mit reichlich Humor den relativ einfachen Spaziergang durch die ersten sechs größten und spektakulärsten Höhlenabschnitte bis zum „African Drum Room“ gegangen ist.

Die ganze Gegend ist übrigens Ostrichs Land, auf riesigen Farmgeländen. Hunderte von Straußen stehen dicht gedrängt an Gattern und Zäunen, rechts und links unserer Route – quasi zum Anfassen, wären ihre Schnäbel auf den langen Hälsen nicht messerscharf. 

Auf dem Weg zurück nach Oudtshoorn machen wir noch einen Abstecher zur Cango Wildlife Ranch. Ein Zoo in Südafrika – tierisch, seltsam und ganz schön abgefahren. Die Cango Wildlife Ranch liegt drei Kilometer nördlich von Oudtshoorn und wurde 1977 als Krokodilshowfarm gegründet. Auf Holzstelzen gebauten Wegen hat man einen guten Einblick in die Gehege. Aber auch den Krokodilen, Löwen, Tigern und Geparden (hier Cheetah genannt) war es zu warm – sie lagen einfach nur faul rum. Außer den Baby-Cheetah hat sich nicht viel bewegt. Die Anlage ist zwar wunderschön, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass wilde Tiere auf kleinstem Raum ihr Dasein fristen. Dann sind uns doch die seltenen Beobachtungen der wilden Tiere in freier Wildbahn lieber. 

Nach unseren Ausflügen musste Harald noch den Aufbau über der Ladefläche seines Toyotas sicherstellen. Sämtliche Schrauben hatten sich auf den Schotterpisten verabschiedet. Da war ein anschließender Abstecher zu Smitswinkel quasi um die Ecke. Der Laden ist Restaurant und Shop zugleich. Witzig sind die alten Autos, vor allem geniale alte Bullis, sowie die Motorräder, die im ganzen Lokal an Wänden und Decken hängen. Der Shop ist ein Eldorado an Kitsch, Selbstgemachtem aus der Gegend, Handarbeiten und lokalen Kunstwerken. Just hier haben wir Daves Geburtstagsgeschenk gefunden: Ein altes Blechschild mit einer BMW GS 1200. 

Der Tag war lang und ausgefüllt. Aber ein Ereignis hat uns am Ende des Tages alle erschüttert. Axel ist mit seinen 71 Jahren der älteste Mitfahrer und hatte morgens einen Zusammenbruch. Ob die Hitze, die doch anstrengenden Etappen der letzten Woche oder ein leichter Schlaganfall, war nicht klar. Grimur hat seinen Papa ins Krankenhaus nach George gebracht und wir hoffen alle, dass sich Axel bald wieder erholt. Allerdings ist auch Axels Sprachzentrum betroffen, er muss stabilisiert werden und die Möglichkeit einer Heimreise nach Island ist fragwürdig. Unsere Reise ist etwas ganz Besonderes, aber die täglichen Touren und die doch körperlich anstrengenden Etappen sind nicht ohne. Bei manchmal über 40/45 Grad braucht jeder von uns mindestens vier Liter Wasser am Tag und eine gute Konstitution. Bezeichnend ist der extreme Freundes- und Familienzusammenhalt unserer isländischen Mitfahrer. Skuli beschreibt es so: Jeden Morgen stehen wir wie ein Football-Team zusammen und beten dafür, dass wir sicher und gesund durch den heutigen Tag kommen. 

Dienstag, 03. März: Oudtshoorn bis Swellendam

Over the Rooiberg pass, Kaffeestop bei De Spekboom in Van Wyksdorp oder alternativ über den Gymmanshoek Pass via Barrydale (Diesel & Creme) und runter den Tradouws Pass

Dave ist wieder bei uns, mit einer Stahlplatte im Schlüsselbein und zwei gebrochenen Rippen. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, uns zu begleiten, zwar nicht mehr auf dem Motorrad, aber in Haralds Pick-up. Harald versucht für Dave trotz der holprigen Wege durch die Steppe im ersten und zweiten Gang den besten Weg über den Rooiberg Pass zu finden. 

Wir anderen begeben uns auf die heutige circa 250 km lange Tour durch die Little Karoo Richtung Swellendam. In Van Wyksdorp, mitten im Nirgendwo, machen wir unseren ersten Stop am De Spekboom coffeeshop. Ab hier fahren wir über gut ausgebaute und gepflegte Schotterpisten zum Muiskarral farm stall. Ein Farmstall ist in Südafrika ein meist von Landwirten betriebenes Geschäft an einer Fernstraße. Sie sind unabhängig und handeln überwiegend mit lokalen, farmeigenen und selbstgemachten Produkten wie Marmelade, Butter, Brot, Käse, getrocknete Früchte, Nüsse, Eier, Pasteten, Kaffee oder Weine. Ein Glück, denn es gab auch Eiswürfel. Nach Bärbels Sturz auf einer schnurgeraden Schotterpiste (es hat ihr einfach bei 70 km/h den Lenker verrissen), waren Knie und Handgelenke ziemlich lädiert. Mehr – bis auf eine leider ziemlich an den Sturzbügeln verschrammte Maschine – ist gottseidank nicht passiert. Daraufhin fahren Bärbel und Hans die Teerstraße bis Swellendam.

Der Rest nimmt den Weg über Barrydayle mit einem Einkehrschwung in die skurrile Bar „Diesel & Creme“. Das Diner im kitschigen Americana-Stil ist vollgestopft mit allem möglichem Krimskrams – und entwickelte sich rasant zum kultigen Route 62-Treffpunkt. Hier gibt es die weltbesten Milchshakes – und ein Erdbeershake geht immer!

Über den Tradouw Pass ging es dann wieder zurück zur Garden Route und schon wurde es grün, es gab Kühe anstatt Strauße und deutlich weniger Staub. Der Tradouw Pass ist eine 16 Kilometer lange Strecke durch einen Höhenbereich von 219 Metern und durch einige der schönsten und rauesten Berglandschaften, die der Langeberg, ein Gebirgszug in der Provinz Westkap, bietet. Dieser Pass gehört zweifellos zu den Top 20 der geteerten Pässe. Es verbindet die Städte Barrydale und Swellendam. 

Angekommen im Swellengrebel Hotel geht es direkt an den großen Pool und anschließend zu einem entspannten Abendessen am Buffet.

Mittwoch, 04. März: Swellendam bis Caledon

Heute fahren wir ein „V“, es geht von Swellendam zum Meer nach Cape Agulhas und dann wieder hoch nach Caledon.

Wir machen einen kurzen Abstecher nach Malgas pond. Die letzte von Hand betriebene Fähre über den Breede River in Südafrika ist ein absolutes Erlebnis.  

Dann geht es über die R319 ans Meer nach Cape Agulhas. Das Kap Agulhas ist der südlichste Punkt des afrikanischen Kontinents, nicht, wie oft angenommen, das Kap der Guten Hoffnung. Es ist die geografische Grenze zwischen dem Atlantischen und dem Indischen Ozean. 

Auf dem beeindruckenden Leuchtturm am Kap Agulhas, der über eine abenteuerliche Hühnerleiter auf die oberste Plattform führt, hat man eine spektakuläre Aussicht auf den südlichsten Punkt Afrikas. Die raue Schönheit der Natur, der Blick auf felsigen Sandstrand und das aufgewühlte Meer machen uns sprachlos. Direkt am Meer erinnert uns ein Markierungsstein an eben dieses Phänomen: links der Indian Ocean, rechts der Atlantic Ocean. Ein tausendfach genutztes Fotomotiv. 

Wir fahren an der Küste zurück wieder ins Landesinnere über den Floorshoogte – ein 16 km langer, geteerter Pass auf der R43 zwischen Villiersdorp und Caledon. Oben angekommen, also 525 Meter über dem Meeresspiegel, hat man einen gigantischen Blick über Caledon in der Provinz Westkamp im District Overberg am Fuß der Swartberge.

Gegen Nachmittag erreichen wir das Caledon Hotel and Spa Resort, ein wahrhaft luxuriöses Hotel mit einem Casino, üppigen Gärten und einem outdoor-Pool, der mal so eben vor den Terrassen unserer Zimmer liegt. Zudem gibt es für die Warmduscher ein Mineral Caledon Spa mit einem historischen viktorianischen Badehaus sowie zahlreichen heißen Quellen, einschließlich der natürlich beheizten 12 m langen kaskadierenden Khoi San-Pools. Ein Traum und das absolute Kontrastprogramm zum morgigen Tag!

Donnerstag, 05. März: Caledon bis Franschhoek

Zuerst kommen wir an der Küste durch Hermanus, ein südöstlich von Kapstadt gelegener Küstenort in der südafrikanischen Provinz Westkap und ein beliebtes Ziel zur Walbeobachtung. 

Es ist ein kurzer Fahrtag heute mit nur 132 km; es geht über den Karwyderskraal Pass, der an seinem östlichen Ende direkt am Gipfelpunkt des Hemel-en-Aarde-Passes endet. Die raue Schotterstraße verbindet das Gipfelgebiet des Hemel & Aarde-Tals an der R320 mit dem Anbaugebiet der Flussmündung des Bot sowie der Karwyderskraal-Farm auf dem Bergplateau. Es dient auch den Bauernhöfen auf der Ostseite in der Nähe des Hemel en Aarde-Tals und bietet den Einheimischen eine eindeutige Abkürzung für diejenigen, die die Überlastung der R43 nach Hermanus und Onrus vermeiden möchten.

Nach einem längeren Teerabschnitt geht es am Ende über den Franschhoek-Pass (740 m). Er liegt in den südafrikanischen Winelands an der R45 (Lambrechts Road) und erstreckt sich über eine Länge von 13 Kilometern zwischen dem Ort Franschhoek und dem Theewaterskloof Dam-Stausee. Ein beliebtes Ausflugsziel der Städter, die auf allen möglichen Vehiclen am Wochenende den Pass frequentieren.

Umgeben von Bergen und grünen Tälern befindet sich Franschhoek (was auf Afrikaans „Franzosenecke“ heißt) im Weingebiet in der südafrikanischen Provinz Westkap und ist berühmt für seine Bodegas und Restaurants, Kunstgalerien, Naturexkursionen und beeindruckenden Landschaften. 

Ein Teil von uns ist bereits mittags angekommen und der Kontrast zum gestrigen Caledon Hotel and Spa Resort könnte nicht größer sein. Die Franschhoek Traveller Lodge – eine heruntergekommene Jugendherberge beinhaltet alles, was wir aus Teenagerzeiten erlebt haben: ein Einzelbett mit fragwürdiger Bettwäsche, ein uralter Resopalschrank, der klappert, ein mickriger Tisch, vergitterte Fenster, die kaum Luft rein lassen und die sanitären Gemeinschafts-Einrichtungen am Ende des Ganges, die du nur mit Schuhen und Desinfektionsmitteln betreten willst. 

ABER: Die Traveller Lodge hat einen Grillplatz, ein Rondavell, das perfekt für den heutigen Abend ist. Obwohl Dave es geheim halten wollte, hat er eben heute Geburtstag. Zudem reisen wenige von uns morgen schon ab. Der Abend wird zu unserem offiziellen Verabschiedungsfest. Es gibt nur noch den morgigen Tag, dann müssen wir die Bikes wieder abgeben und die Reise endet. 

Harald, Dave und Bärbel fahren einkaufen. Was für ein Spaß. Drei Einkaufswagen sind beladen mit Fleisch, Salaten, Brot und natürlich jeder Menge Getränke. Wir schleppen alles in die Franschhoek Traveller Lodge, bereiten alles vor, blasen Luftballons auf und fühlen uns allen Ernstes wie Teenager, die die erste Fete ihres Lebens organisieren. Aber was dann kam, war einfach nur bewegend. 

Unter dem Sternenhimmel bei zwei riesigen Grills und einem gigantischen Buffet sowie mit dem Wissen, Südafrikas Gravel-Roads bezwungen zu haben,  feiern wir Dave – und nicht nur seinen Geburtstag, sondern auch seine Warmherzigkeit, seine Freundschaft zu uns und die Leidenschaft zu seinem Land, die er uns beim Motorradfahren nahe gebracht hat. Wir bedanken uns als Gruppe bei Dave, Adrian, Steve und Jayne. 

Was wir mitnehmen ist Freundschaft und keine bezahlte Organisationstruppe. Es war ein gelungener, wunderschöner Abend, der in keinem Hotel der Welt in dieser Form hätte stattfinden können. Dieses Mal war es genau das Abenteuer, das wir eigentlich mit Afrika verbinden!

Freitag, 06. März: Franschhoek bis Capetown

Unser letzter Fahrtag. Am späten Nachmittag müssen wir die Leihmotorräder wieder abgeben, was vor allem mit viel Papierkram verbunden ist. Wehmut kommt auf. Aber noch liegt ein letzter wunderschöner Tag vor uns. Über Stellenbosch fahren wir wieder runter zur Küste und über Simons Town zum Kap der Guten Hoffnung. Es ist heiß und deutlich touristischer als auf unserer ganzen bisherigen Reise. Wir fahren nur auf Teer; besonders nervig ist der Stop and Go-Verkehr durch die vielen kleinen, pittoresken und gefälligen Ortschaften, die nicht wirklich Charme haben, sondern auf möglichst große Bettenbelegung und Touristenbespaßung ausgelegt sind. So auch die Boulders – Pinguin Kolonie in Simons Town. Am Hafen essen wir zu Mittag, aber sind in Gedanken schon am Kap der Guten Hoffnung. 

Bartolomeu Diaz hat 1488 auf der Suche nach einem Seeweg nach Asien das Kap als erster Europäer entdeckt. Es spinnen sich Wahrheiten, Geschichten, Tragödien und Sagen um diesen geographisch sowie kartographisch auffälligen Punkt. Das Kap der Guten Hoffnung ist nicht der südlichste Punkt Südafrikas, aber ein wunderschönes Natur-Ressort. 

Und plötzlich stehen wir vor dem Tor des Cape of Good Hope Nature Reserve. Seit 1939 steht das Kap der Guten Hoffnung unter Naturschutz und beeindruckt seine Besucher heute mit einer einzigartigen Pflanzenwelt. Über 1.300 Pflanzenarten, darunter Orchideen, Proteen, Fynbos-Pflanzen und verschiedene Erika-Sorten verteilen sich in der hügeligen Landschaft. Auch die Tierwelt ist in diesem Gebiet beeindruckend: Herden von Antilopen und Zebras, Paviane, die völlig unbeeindruckt der Blechkolonnen mitten auf der Straße hocken, und mehr als 150 Vogelarten sind hier zu Hause. 

Ungefähr 13 Kilometer hinter dem Tor liegt Cape Point, eine etwa 250 Meter hohe Felsklippe mit einem Leuchtturm, die sich mit der Bergbahn „Flying Dutchman“ erreichen lässt. Natürlich kann man auch hinauflaufen, macht jetzt aber in Motorrad-Kluft nicht wirklich Spaß. Dann doch lieber den „Aufzug“ nehmen“. Anschließend fahren wir ein paar Kilometer zurück zum wohl bekanntesten Fotomotiv am Kap der Guten Hoffnung: Es ist das Schild, das es als solches markiert. Die Touristen stehen Schlange, wir auch. Aber ein Gruppenfoto mit unserem Club-Banner ist ein must have. 

Wir sind privilegiert, diese teure Reise mit Flug, Leihmotorrädern, einem Coach/Tourguide vor Ort, einem Begleitfahrzeug für unser Gepäck und den individuell zusammengestellten Routen durch Südafrikas faszinierende Landschaft finanziell zu stemmen. Nicht jedem von uns fällt es leicht, die im Vorfeld bestens kalkulierte Reise mal eben so zu finanzieren. Unsere Leidenschaft fürs Motorradfahren beschränkt sich nicht nur auf Gravel-Fahrspaß in den Weiten und Bergen Südafrikas. Wir haben auch eine Verantwortung, wenn wir reisen – uns auf der Straße als verantwortliche Verkehrsteilnehmer zu benehmen und auch dem Land, das wir bereisen, Respekt, Offenheit und Anteilnahme entgegenzubringen. Die zahlreichen Townships durch die wir gefahren sind, der kilometerweit verwehte Müll, vieles davon unabbaubares Plastik, die Armut, die verfallen Häuser, vor denen Kleinkinder verloren spielen – das hat uns alle sehr bewegt. 

Im Vorfeld dieser Reise hatte Peter Kistner das Charity-Projekt Vulamasango angeregt. Dafür haben einige von uns den heutigen Fahrtag abgekürzt und mit einem Besuch vor Ort mit unserer Spende diese tolle Einrichtung kennengelernt. Ich nehme darauf noch Bezug, aber ich sage es mal so: Es ist ein kleiner Ort der Zuflucht für schwer traumatisierte, misshandelte Kinder, die einfach nur Sicherheit brauchen. Die Begegnung war sehr bewegend.

Nachdem das Prozedere mit der Abgabe der Motorräder abgeschlossen war, hat sich ein Teil wieder im Hotel Fire & Ice eingebucht und einige wenige, die ihren Aufenthalt verlängert haben, haben sich auf andere Hotels verteilt. Ein letztes gemeinsames Abendessen im Mama Africa war der krönende Abschluss des Abends. Vegetarierer sollten jetzt weghören, aber es waren nochmal sehr schmackhaft alle Tiere auf dem Teller, die sich uns auf unserer Reise vorgestellt haben. Das Restaurant ist spezialisiert auf die südafrikanische Küche und liegt an der Ecke Long Street und Pepper Street. Jeden Abend spielen im Mama Africa afrikanische Bands. 

Die meisten fliegen morgen wieder nach Hause. Der Abschied war daher sehr bewegend, vor allem von Dave, Adrian, Steve und Jayne. „We are all welcome the next years with some more adventures in the exciting continent of other parts of Africa”.

Damit beende ich meinen Reisebericht, möchte aber noch auf ein paar Dinge hinweisen, die mir und im Austausch mit anderen Teilnehmern sehr am Herzen liegen.

Das Projekt Vulamasango

Vulamasango bedeutet in der Sprache der Xhosa „offene Tore“. Vulamasango, eine „Non-Profit Organisation“ (NPO) mit Sitz in Kapstadt, nimmt seit 2009 Waisenkinder und Kinder, deren Eltern verstorben sind oder aus anderen Gründen nicht mehr in der Lage sind, für ihre Kinder zu sorgen, auf. Verwaiste, vernachlässigte, aber vor allem sexuell missbrauchte Kinder aus den Armenvierteln Kapstadts, und Kinder, die durch die Umstände in den Townships so verarmt sind, dass ein Überleben ohne zusätzliche Hilfe nicht mehr möglich wäre, finden hier ein Zuhause und die Chance auf eine Zukunft.

Seit 2018 ist Vulamasango ein staatlich anerkanntes Child and Youth Care Centre (CYCC). Florian Krämer ist Gründer des Projekts, leitet das Management, die Finanzen, das Fundraising und die gesamte Logistik. 

Jeder von uns, der diesen Ort der Zuflucht für extrem misshandelte Kinder im Alter von 0 bis 18 Jahren erlebt hat, war mehr als bewegt. Die Kinder leben in Wohngemeinschaften und erhalten die bestmögliche Schulbildung. Darüber hinaus gibt es am Nachmittag eine breit gefächerte Auswahl an Aktivitäten für eine ganzheitliche Freizeitgestaltung und die Aneignung praktischer Fähigkeiten. Es gibt eine Gärtnerei, eine Schreinerei, ein Nähprojekt, eine Theatergruppe und vor allem einen gigantischen Chor, der international tourt, wann immer es finanziell möglich ist. Wenn Stimmen für Vulamasango und alle geschändeten Kinder Südafrikas Gehör finden, dann in diesem Chor. Hört rein in https://www.vulamasango.org/vulamasango-de/videos.html.

Unterstützt wird Vulamasango hierbei maßgeblich durch seine beiden Europäischen Fördervereine und finanziellen Träger, Positiv Leben e.V. (Deutschland) und Förderverein Vulamasango Südafrika (Schweiz).

Es war uns eine Ehre, unsere Geldspende persönlich überreichen zu dürfen. Ich nenne bewusst keine Summe, weil auch die nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein kann. Was Florian Krämer und seine Mitarbeiter vor Ort leisten, kann man mit keinem Geld der Welt aufwiegen. Trotzdem wird jede Spende gebraucht, um dieses großartige Projekt am Leben zu erhalten. 

Pleiten, Pech und Pannen

Eine Motorradreise mit 32 Mitgliedern zu organisieren, noch dazu in einem Land wie Südafrika, ist eine echte Herausforderung. Die Aussage eines Mitarbeiters bei der Abgabe der Motorräder hat mich echt geschockt. O-Ton: „Ihr seid die erste Gruppe, in der es keine Toten gab“. Wir hatten diverse Reifenpannen, wir hatten glimpfliche Unfälle, auch wenn Dave ins Krankenhaus musste. Floh hat sein Nummernschild verloren und irgend ein Neues aufgegabelt mit dem er sich durchgemogelt hat, Markus hat auf einer Tour sein Gepäck verloren und ein Einheimischer hat es mit seinem Quad für ihn Stück für Stück aufgegabelt. Johannes ist in den Graben gefahren und Bärbel hat es auf einer völlig geraden Schotterpiste zerlegt. Harald hat fast seinen Aufbau vom Pick-up verloren. Ossi war stets mit einem Benzinkanister unterwegs, weil seine knapp 200 km nicht die Tankweitreiche für unsere Etappen hatte.  Frank D. hat davon profitiert, weil er vergessen hatte zu tanken. Max war wie immer verplant, findet aber stets einen Weg, alle Gefahren zu umschiffen. 

Wir alle hatten eine ganz unterschiedliche Fahrerfahrung. Ich bin noch nie auf Schotter gefahren und habe es genossen; Eggert hat allen Ernstes seinen Führerschein erst seit einem Jahr und fährt trotzdem locker seine GS 1250. Max ist durch seine Fußverletzung gehandicapt, hinkt im Gehen ohne Ende, aber bleibt stoisch in jedem Gelände auf seiner Maschine. Harald sitzt aufgrund seiner Sehnenoperation im Pick-Up und würde sich am liebsten auf eins unserer Motorräder stürzen. Axel ist mit über 70 Jahren unser ältester Mitfahrer. Respekt für diese täglichen Strapazen bei größter Hitze. Leider hat es ihn dann doch seine Kraft gekostet. Aber nach seinem Krankenhausaufenthalt konnte er am Samstag mit allen anderen nach Island zurückfliegen. 

Was für eine Tour!

Danksagung

Unser Dank gilt Peter Kistner und Harald Beiner, die als Vorstandsmitglieder im Vorfeld im wahrsten Sinne des Wortes Pionierarbeit geleistet haben. Peter hat den Kontakt hergestellt und unzählige Excel-Tabellen mit Reisedaten und -kosten erarbeitet. Listen über Listen zu den Teilnehmern, den gebuchten Motorrädern vor Ort, den individuellen Ankunfts- und Abreisezeiten und so vieles mehr. Harald hat in Zusammenarbeit mit Peter und Dave eine Agenda erarbeitet, die ihresgleichen sucht: Tour Maps und GPS Tracks, ein Tour-Roadbook für jeden einzelnen Tag unserer Reise, General Travel Informations, Guiding and Riding Principals und hat mit Peter zusammen die gesamte online-Kommunikation aller Teilnehmer organisiert, sowie das abschließende Treffen in München.

Unser Dank gilt Dave und seinem fantastischen Team: Adrian, unserem zweiten Tourguide, der sowohl die Greenhorns unter uns unerfahrenen Schotterfahrern, als auch die Profis mit ihrem unstillbaren Durst nach lockeren Steinen und fiesen Haarnadelkurven an die Hand genommen hat. Steve und Jayne, die uns nicht nur begleitet, unser Gepäck transportiert und unsere Zimmerbelegung vor Ort organisiert haben, sondern immer ein Ohr für unsere Kümmernisse hatten. Und natürlich Dave. Wie soll ich das beschreiben? Im Laufe dieser Reise wurde er vom Tourguide zum Freund. Seine Leidenschaft für das Land und für seine Geschichte, das Gefühl für die Strecken unserer Route – mit der klaren Ansage, wer für welche Strecke geeignet ist – war unglaublich und extrem hilfreich. 

Nochmal: Auf jeder täglichen Tour hat Dave uns mindesten drei Strecken ausgearbeitet – Schotter, Teer oder ein Mix von beidem. Und er hat uns immer am Abend vorher klar gemacht was uns erwartet und welche fahrtechnischen Voraussetzungen dafür erforderlich sind. Keine 32 Leute fahren gleichzeitig los. Wir waren stets in Gruppen von maximal 5 bis 8 Leuten unterwegs – und eben auf teilweise verschieden Routen. Und ich denke, genau das hat unsere Reise ausgemacht: die Vielfältigkeit an individuellen Strecken zum gleichen Ziel oder Hotel, und trotzdem die individuelle Entscheidung an jedem Tag, das zu fahren, zu sehen und zu entdecken, was man möchte. Danke Dave! Wir haben dich sehr ins Herz geschlossen.

Einen weiteren Dank möchte ich an zwei Mitfahrer aussprechen. Franz hatte seine Drohne dabei und auch wenn die nicht jeden Tag so wollte wie er, hat er uns allen täglich ein beeindruckendes Video von unserer Tagesetappe auf WhatsApp eingestellt. Danke Franz! Allein die Filme anzuschauen, schon während unserer Reise, war klasse. Ich weiß, wie viel Arbeit das war! Und noch wichtiger: Wir konnten in diesen Filmen die Routen Revue passieren lassen und nochmals nacherleben. Einfach Danke!

Und Skuli. Skuli ist Isländer, Blogger, Motorradfanatiker und begabter Entertainer. Er filmt, er interviewt, er hinterfragt. Und hat ebenfalls jeden Tag unserer Reise gefilmt, das dann noch mit täglichen Interviews unterlegt. Ich selbst bin ihm mal schön mit der englischen Definition von exited auf den Leim gegangen. Aber das, was Skuli gefilmt hat, war grandios:

Sollte ich in diesem Bericht etwas vergessen, jemanden nicht berücksichtigt oder gar etwas komplett aus den Augen verloren haben, dann seht es mir bitte nach. Es war eine Flut an Informationen, an Eindrücken, an Recherche. Und der größte, beste, schönste Urlaub, den ich je hatte. 

Bärbel Schmidt, im Juni 2020