Sardinien im Herbst 2020

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Sardinien im Herbst 2020 – oder auch temporarily VFR under IFC

Was sind das den für komische Abkürzungen wird sich da manch einer fragen, der nicht zufällig etwas mit der Fliegerei am Hut hat – bleibt dran!

Die Sardinien Tour fand statt bei bestem Wetter vor Ort von ungefähr 25 – 27 Grad im Tal/Ort bis hin zu für mich angenehmen meist um die 12-17  Grad in den sardischen Bergen. Aber was heißt „für mich“ – wer bin ich überhaupt? – Neumitglied seit kurz vor Sardinien, fahre meine 1200er „Luftboxer“ GS Bj 2011, freue mich auf Touren mit Euch und habe deshalb auch gerne die Anfrage beim Espresso angenommen, ob ich bereit wäre einen kleinen Bericht zu schreiben. Nun denn –  back to topic. Also Abfahrt war um 8:00 Uhr am Treffpunkt Raststätte Höhenrain (Autobahn A95 Richtung Garmisch), was also frühes Aufstehen bedeutete für eine Fahrt, die viel versprach. 

Erstes Etappenziel war der Lago d`Iseo am Südufer des Sees.  Der Weg dorthin sollte über den einen oder anderen Pass oder das ein oder andere Joch führen. Aber diese Rechnung wurde ohne das Wetter gemacht, denn das wird bekanntlich vor Ort gemacht. Na gut – in unserem Fall schon in den einschlägigen Wetterseiten, so dass klar war, dass am Stilfser Joch mit Schnee zu rechnen war und keiner seine Winterreifen nach Sardinien schleppen wollte.

Gesagt getan – als dann alle Anreisenden eingetroffen waren (Peter, Jürgen, Lutz, Haukur mit Marilee und ich), der Luftdruck nochmal gecheckt war und der Tank gefüllt (nicht jeder kann ja ne ADV fahren 😉 ), hieß es dann „ready for departure“ und los. Die ersten 2 Stunden verliefen wie erwartet trocken und dann wurde es etwas feuchter. In etwa so feucht, dass man sich „angepisst“ aus Himmels Schleusen fühlen konnte und ich mich spätestens am Jaufenpass an einen Grundsatz aus der Fliegerei erinnerte und schnell feststellte, dass das im zweidimensionalen Raum, also auf der Straße, nicht funktionierte. Denn wenn ich unter Sichtflugregeln (Visual Flight Rules – VFR) unterwegs bin, aber in Instrumentenflugbedingungen (Instrument Flight Conditions – IFC) gerate, gilt, da man die Referenzpunkte, um die Flugplage zu erkennen, nicht mehr hat: „trust your instruments“. War wohl nix. Denn der Tacho (Fahrtenmesser) ist da zwar auch gemeint, aber primär eben der künstliche Horizont, den ich für die GS bei Touratech nun noch nicht Sortiment entdeckt habe. Blieb also nur vorsichtig weiterfahren und sich an den schemenhaft abzeichnenden Seitenstreifen sowie Peters Rücklicht und vorausfahrenden Autos (die jedenfalls ich sonst ungerne als rollende Bremsklötze vor mir habe) orientieren. Spätestens jetzt war ich froh am Morgen die Brille für die Fahrt durch Kontaktlinsen ersetzt zu haben. Beschlagene / nasse Brille hätte ich nicht unbedingt gebraucht (ging aber auch, wie andere bewiesen haben 😉 ). 

Naja – lange Rede kurzer Unsinn – so ging das insgesamt 5 Stunden von den 7 Stunden Anfahrt, bis wir dann am Hotel angekommen waren. In selbigem bereits Michael auf uns wartete und sich am nächsten Tag unserer Gruppe angeschlossen hat. Da bekanntlich Namen Programm sind, sollte man nächstes Mal vielleicht nicht in einem Hotel zwischenübernachten, das AQUARIUM heißt. 

Die Pizza nebenan (Belvadere Clusane) war im Übrigen vorzüglich und wir hatten nach einer zuvor genommenen warmen Dusche noch einen gemütlichen Abend zusammen beim Essen (Also meine Waage hat übrigens nach der Tour immer zu mir gesagt: „Bitte einzeln auftreten, bitte einzeln auftreten“ – Kulinarik können die Italiener!).

Nach einer Nacht folgte dem Laufe der Zeit der nächsten Morgen. Dort wie erwartet mit wolkenverhangenem Himmel aber doch schöner Aussicht auf den See. Das Frühstücksbuffet war übersichtlich, aber wir sind nicht vom Fleisch gefallen. Bei geplanter Abfahrt um 9:00 – der Satz  „um 9:00 Uhr am Anlasser“ zog sich übrigens durch die ganze folgende Woche  – hatte man mal wieder den Kommunikationsexperten Schulz von Thun (Kommunikationsquadrat – oder auch „Die Nachricht entsteht beim Empfänger“) außer Acht gelassen oder es wurde schlicht nicht richtig hingehört. Jedenfalls sind wir nicht um 9 Uhr losgefahren.

So oder so waren die nächsten 2 Stunden wieder von Dauerregen geprägt, so dass ich zusammenfassend sagen kann, dass mein (noch neuer) BMW Anzug „Rally“ hält.

Nachdem die eher langweilige Po-Ebene auf der Bahn absolviert wurde – habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich auf der nächsten Tour meinen „Telepass“ für die Mautstellen mitnehme 😉 –  ging es dann die schöneren Straßen trockenen Rades bis nach Livorno zunächst in einen Burgerladen / Imbiss um nahe des Anlegers noch ein Mahl einzunehmen um dann die Maschinen zu verladen. Hinsichtlich Corona wurde bei allen kontaktlos Temperatur gemessen und ich zumindest nach der Selbsterklärung gefragt. Als ich meine ausgedruckte dann tatsächlich zeigen wollte, reichte es dem Mitarbeiter der Reederei bereits, dass ich nach irgendeinem Zettel kramte. 

Dass die Landschaft der Toscana als wunderschön gilt, muss man nicht sonderlich hervorheben – anders jedoch wohl das wichtigste Detail auf der Route vom Lago d‘Iseo nach Livorno, da waren wir uns alle einig. Genau genommen waren es zwei, wenn nicht gar drei. Nämlich das wohl schönste Paar braune Augen Italiens, welche dann noch den besten Espresso an den Tisch brachten, den wir die ganze Reise überhaupt getrunken hatten.

Auf der Moby Fähre wurde zunächst einmal Köper- und Materialpflege betrieben, um dann vorbei an diversen Luftmatratzen und Bettlagern auf den Gängen sowie in den Gesellschaftsräumen in selbige Räume einzurücken und noch ein gepflegtes Bier zu nehmen. Die Aussicht vom Oberdeck konnte man sich relativ schnell schenken. Nicht nur, weil es dunkel wurde, sondern auch aus Kübeln goss. Geschlafen habe ich eher schlecht – aber da ist jeder Jeck anders.

Samstag, 3. Oktober 2020 irgendwas um 7 Uhr rum sind wir dann mal von der Fähre runter, wieder Temperatur messen und haben an dem Ding da am Lenker rechts gedreht; also am Griff. Tourguide war auch hier wieder Peter, der einen super Job machte (ich spare mir jetzt all die kleinen Wegbezeichnungen etc. aufzuzählen. Denn eines habe ich gelernt – egal wo du abfährst, es ist immer einen „Ride“ wert und Du machst nichts falsch. Auch hier hat Peter sich übrigens – wie am Festland mit dem besten Espresso und gepaart mit den schönsten Augen – als wahres „Trüffelschwein“ in Sachen Kulinarik erwiesen. An gutem Essen und netten Locations hatte es uns nie gefehlt.

In Arbatax angekommen ging es dann ins Hotel Arbatasar in Tortoli, bezogen die Zimmer, machten uns fertig für den Abend um das Hotelrestaurant zu testen und uns mir den bereits vor Ort befindlichen Clubmitgliedern auszutauschen. Es sollte übrigens für uns, die wir zusammen angereist waren, das erste und letzte Mal gewesen sein. Lamm jedenfalls konnte der Koch nicht – auch nicht, nachdem es 2 mal zurück ging und letztlich unnötigen das Leben gelassen hatte. Die nächsten Tage wurde vornehmlich in der sehr guten Pizzeria „La Comida“ eingekehrt, nachdem sie uns auf einem Abendspaziergang empfohlen wurde. Es gab nie etwas zu beanstanden und kulinarisch langweilig wurde es auch nicht. 

Es zahlte sich aus, dass der ein oder andere nicht nur schon mal auf Sardinien war und demnach schöne Strecken kannte, sondern auch, dass italienisch gesprochen werden konnte, was das Leben auf der Suche nach der nächsten Espressobar oder beim Essenbestellen wesentlich erleichterte. Danke Haukur und Jürgen.

Die folgenden Tage waren einfach nur geprägt von unfassbar schöner Landschaft, super griffigem Asphalt und einfach einer netten Gemeinschaft, die wir pflegten. Ich selber, der wie erwähnt erstmals auf Sardinien war, hatte auf jeden Fall den Eindruck, dass alle 2 km angehalten werden hätte können und jedes geschossene Foto hätte einen anderen Eindruck vermittelt. Die Strände waren Klasse und das Wasser einfach schön – Danke Jürgen für diese Locations. 

Eines der Highlights auf der Tour dürfte wohl am Donnerstag, den 8. Oktober gewesen sein. Während am Mittwoch durch einen Großteil eher ein Erholungstag am Meer eingelegt wurde, sollte es am Donnerstag dann wieder gemeinsam in den Süden der Insel gehen. Nach einem Espresso kurz nach dem Weg gefragt und ob dieser für Motorräder befahrbar sei, haben wir uns auf den Weg hinauf für eine super 360 Grad Aussicht auf den „Punta Serpeddi“ begeben. Das war – jedenfalls für mich – meine erste Offroadkiste, die ich jemals bewältigt hatte. Ich meine – ich wusste ja noch nix über die Offroad Fahrerei und Stehen auf dem Bock und so. Das einzige was ich wusste war, dass man ggf. steht, um die GS frei unter sich arbeiten zu lassen. Joa – das war dann mal ne Herausforderung. Also stehen – OK, aber irgendwie muss ich jetzt noch in den Beinen und den Armen vor allem locker werden – LOCKER….war ich aber erstmal nicht. Das stellte sich dann ein, als ich mich irgendwie gut ausbalancierte und die Maschine hochkraxeln konnte. Habe mir am Ende auch gerne angehört, dass ich das ganz ordentlich gemacht hätte. Alle waren, froh, dass eben auch alle heile und ohne jede Komplikation oben wie später auch unten angekommen waren. Gelohnt hatte es sich in jedem Fall.

Auch die schönste Zeit hat leider wie so oft auch mal ein Ende. So trennten sich die Wege derer wieder, die zusammen angereist und vorwiegend zusammen gefahren waren, nämlich uns, und denen, die schon vor Ort waren bzw. nach kamen und auch dort zurück blieben. 

Der Abreisetag ging bis Mittag zunächst gemeinsam zum Essen, danach trennten sich unsere Wege kurz, um am Abend wieder gesellig bei Pizza und schließlich auf der Fähre zusammen zu sitzen. Ach ja! Die Flamingos, welche auf der Durchreise waren und von uns Tage zuvor an anderer Stelle vermutet oder vielmehr erhofft waren, sahen wir denn zumindest im Vorbeifahren doch noch.

Die Rückreise verlief ebenfalls unspektakulär und leider wettertechnisch anders herum. Während wir auf der Herfahrt in Föhnlage gestartet waren und das schlechte Wetter an der Südseite der Alpen hing, kündigten Kachelmann und Konsorten nun am Nachmittag des Samstages Schnee am Brenner an. Nix war es also mit zunächst zum Gardasee und dann am nächsten Tag weiter. Nein, wir ließen die Böcke bei aller, aller bestem italienischen Wetter den ganzen Weg auf der Autobahn laufen, nahmen am Brenner auf Bitten noch die eine oder andere Wurst im Brötchen zu uns und begaben uns dann – in der Tat wieder im Regen – auf die Autobahn zurück, wo uns dann Stück für Stück die Wege trennten und alle heile daheim ankamen.

Drei Dinge habe ich also gelernt:

  • Sardinien ist immer eine Reise wert
  • Sardinien sollte keinem Biker im Erfahrungsschatz fehlen
  • Sardinien macht man am besten mit einer guten Truppe und angenehmer Geselligkeit. 

Marc


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