PÄSSE-MARATHON – Micha´s Reisebericht

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EINLEITUNG

Peter schlägt doch tatsächlich vor, Ende September mit den GSsen für ein mittellanges Wochenende in die Dolomiten zu fahren! Zu einem Pässe-Marathon! Doch trotz der Unsicherheit bezüglich der jahreszeitlich bedingten möglichen Wetterkapriolen ist meine Zusage schnell gegeben. Nicht nur wegen der schon angemeldeten angenehmen MitfahrerInnen, uns kann ja schließlich auch bestes Wetter erwarten!

Außerdem ist die Region (nicht nur) für Motorrad-fahrer sehr abwechslunGSreich, paradiesisch und geizt nicht mit schmalen, geschmeidigen, kurvenrei-chen Straßen und eindrucksvollen Panoramen.

Die Touren-Kracher der Region umfassen die Berg-stöcke Sella, Drei Zinnen, Rosengarten, Schlern, Geisler, Langkofel und die Marmolata – mit gut 3.340m der höchste Berg der Gegend.

Tatsächlich begleitet uns vom Start weg an allen Tagen eine spätsommerliche Großwetterlage mit wolkenlos-blauem Himmel – meine Befürchtung bezüglich des Wetters war also unbegründet.

Wochen zuvor jedoch, als der Entschluss zur Teilnahme fiel, musste noch in Bezug auf die mögliche Witterung mit allem gerechnet werden.

Bei dem zu diesem Zeitpunkt nötigen Reifenwechsel an meinem Bike war also Vorplanung angesagt.

An den mir vertrauten und schon mehrfach aufgezogenen robusten Conti TKC70 war schon Wochen vor dem Start nicht mehr ranzukommen, also musste eine „Alternative für alle Fälle“ her:

Der kurzfristig aufgezogene K60 Scout (Bild) schien ebenfalls eine gute Wahl und bewährt sich auf der Tour tatsächlich!

DIE ANFAHRT

Unser Tourguide Peter hat sich für den Pässe-Marathon einiges überlegt.

KEINE Autobahn, das war klar – und auch Schnellstraßen nur, um etwa „Meter zu machen“ oder wo deren Befahren mangels Alternativen unumgänglich ist.

Freitag starten wir und haben mit Verkehr erwartunGSgemäß nicht zu kämpfen. So kommen wir, mit sieben GSsen in Irschenberg aufbrechend, recht gut voran.

Schon während der Anfahrt hält Peter für uns ein paar feine Schmankerln bereit. Auf dem Weg nach Kufstein etwa fahren wir zuerst Richtung Sudelfeld, biegen aber kurz zuvor im Tal rechts ab, um über den Ursprungpass und durch das jedem Biker in weitem Umkreis aufgrund seiner hügeligen, kurvenreichen Landschaft bekannte Thierseetal zu fahren.


Den Wilden Kaiser lassen wir anschließend nördlich liegen und stoppen dafür kurz darauf vor dem Schloss in Münichau (Bild). Ein Wort hier, ein Blick da, den Auslöser am Handy gedrückt und dann weiter, wir visieren den Pass Thurn in den Kitzbüheler Alpen an. Und so langsam meldet sich schon der Hunger! Da kommt der Tipp von Justus gerade recht:

Eine MittaGSpause in Jochberg emp-fiehlt er uns, und zwar im Gasthaus Alte Wacht. Dort (Bild) sitzen wir draußen in der Sonne, spaßen und speisen gut und ausgiebig.


Nicht so verlockend ist die Durchfahrt des darauffolgenden langweilig zu fahrenden Felbertauerntunnel, aber anschließend geht es wieder gut motiviert durch das aufregende Defereggental.

Aufwärts zum Obersee, an welchem Bärbel und Max halten, um aufgrund des schönen Panoramas ein paar Fotos zu schießen. Der See und das Bergpanorama laden förmlich zu einer Pause oder einem Picknick ein…

Auch Theo und Max (Bild) genießen den Anblick, während der Rest durchgefahren ist und am nahe gelegenen Tages-Highlight auf uns wartet: Dem Passo Stalle (Staller Sattel)!


Eine wegen der herrschenden Einbahn-Regelung kurze Wartezeit am westlichen, österreichischen Teil des Sattels nutzen wir für einen erneuten kurzen Foto-Stopp (Bild) – und schon winden wir uns nach der auf Grün umspringenden Ampel hinab ins Antholzer Tal.

Es wird spät und später, Pausieren ist deshalb ab sofort nicht mehr angesagt. Obendrein hat Peter für uns noch ein paar Pässe parat:

Seine weitere Route führt uns zuerst über den Furkelpass (Passo Furcia), dann zum Würzjoch (Passo delle Erbe) und zum Kofeljoch (Passo di Eorres) so-wie über den Panider Sattel (Passo Pinei). Die hinreißende Strecke ist eine einzige, Begeisterung hervorrufende Kurverei.

Am späten Abend treffen wir hungrig in Ortisei ein, wo wir uns auf die vorbereiteten Leckereien freuen. Domenicos Frau Manuela wartet dort ebenfalls auf uns. Sie ist per PKW angereist, weil die zwei nach der Tour noch ein paar Tage im Trentino verbringen möchten.

DER PÄSSE-MARATHON

Ein strahlendblauer, wolkenloser Himmel begrüßt uns am Samstag in der Früh, dazu ein ausgiebiges Frühstück. Gut gestärkt starten wir dann unsere Brummer, denn wir wollen heute Peters Pässe-Marathon angehen. Kaum sind wir mit unseren sieben Benzinrössern westwärts gestartet, wartet auf uns der gestern schon eroberte Panider-Sattel. Anschließend geht es abwärts bis fast hinunter zum Eisack, um dann wieder südöstlich aufwärts windend dem Nigerpass und dem Karerpass entgegen zu fahren. Den Lago di Soraga streifen wir auf dem Weg zum eher anspruchsvollen Passo di Lúsia, vor dessen Querung wir uns aufteilen. Als späterer Treffpunkt wird dabei die nächste offensichtliche Kaffee-Quelle vor dem Passo Rolle ausgemacht.

Zuvor wollen wir aber den GSsen und uns etwas abenteuerlicheres bieten! Steil geht es nach ein paar hundert Metern Asphalt schottrig bergan, kurvig und bewaldet dazu. Auf den Wuchtbrummen stehend geht es für uns über Stock und Stein oder besser über stark ausgewaschene Rinnen und zahlreiche grobe Querrillen sowie durch ein paar ausbetonierten Kehren.

Das Heck von Domenico’s straßenreifenbewehrter „Kuh“ tänzelt beim Klettern besonders hin und her. Ihr Hinterrad schmeißt außerdem des Öfteren mit kleinen Steinchen und sorgt hinter sich für eine ausgeprägte Staubfontäne – also lieber etwas Abstand halten.

Nur selten begegnen wir Wanderern und wenn wir sie bemerken, zügeln wir beim Passieren die Bikes und grüßen freundlich.

Oben am Pass halten wir, denn in einiger Entfernung sehen wir nach einer Gabelung ein Durchfahrt-Verboten-Schild (Bild).


Darum fragt Domenico einen zufällig vorbeischauenden Bauern, wie es mit dem weiteren Verlauf der Route aussieht.

„Wenn ihr die rechte Abzweigung vor der Sperre nehmt,“ übersetzt uns Demonico die Antwort des Italieners, „wird es zwar zuerst noch ein wenig gröber, dann aber ist alles OK!“. Dankend winken wir dem Bauern zu und stürzen uns ins Vergnügen.

Wieder im Tal und auf Asphalt angekommen, grüßt uns kurz darauf der Lago di Paneveggio rechtsseitig, bevor wir beim Aufstieg zum Passo Rolle linksseitig eine Hütte mit Rastmöglichkeit ausmachen. Da es sich bei der Hütte jedoch um ein Restaurant handelt, ist ein einfacher Kaffee leider nicht zu bekommen. So warten wir bei den Bikes auf die Ankunft unserer zuvor verabschiedeten Mitreisenden und lassen uns anschließend gemeinsam mit einem sehenswerten Bergpanorama ablichten (Bild).


Kurz darauf (Bild) schrauben wir uns dann über den Passo Rolle zu einem Rastplatz, an dem wir die ersehnte Kaffee-Pause einlegen.


Besser werden kann es kaum. Doch das Navi mahnt zur Weiterfahrt, denn es gibt um uns herum noch etliche Pässe.

Die ersten GSsen verlangen auf der Weiterfahrt nach Sprit, also tanken wir bei nächster Gelegenheit in Tonadico. Bei diesem Tankstopp können es sich die „erwachsenen“ Adventure’s leisten, auszusetzen. Die Spritpreise in Italien liegen deutlich über denen der Ös-terreicher, beim Befüllen der dickbäuchigen ADV’s durchaus ein Argument. Und Theo hat noch eine zusätzliche Sicherheit: Ein gefüllter Spritkanister am Koffer seiner Adventure beruhigt in Bezug auf die Gefahr eines möglichen Liegenbleibens ungemein.

Umwege gibt es keine, Peter hat auch auf dem weiteren Weg zum Passo di Cereda alles fest im Griff. Nach der Forcella Aurine an der SP347 kurven wir erneut etwas heftiger aufwärts. Immer nördlich halten wir uns, zwischen den Berggruppen der Civetta und Moiazza bis zum Passo Duran, und das Kurvenspektaktel geht auch danach noch weiter!

In nordwestlicher Richtung zum Passo Staulanza abbiegend legen wir noch einen Kaffee-Stopp mit Espresso, Capuccino oder ähnlichem ein – das geht immer und ist in Italien gut und günstig. Wieder aufgesessen nähern wir uns im Kurven-Eldorado dem Passo di Giau. Fahrerisch und landschaftlich sind dessen 55 Kehren in dieser Region ein echtes Glanzlicht. Auf dem griffigen Asphalt finden wir an den erheblichen Steigungen und vielen engen Serpentinen ein großes Vergnügen. Und die Landschaft der Bergwelt ändert sich deutlich. Je höher wir „klettern“, umso schroffer werden die Felswände, die Bäume rarer, die Aussicht hinter jeder Kurve spektakulärer.

Dazu bietet der Herbst seine eigene Dramaturgie: Die inzwischen tief stehende Sonne etwa beleuchtet nun die Seiten der Bergketten (Bild), welche daher beeindruckend strahlen und uns zu einem erneuten Foto-Stopp verleiten. 

 
Bei der Weiterfahrt in die Abendstunden lässt uns die Sonne später westwärts fahrend stark blinzeln, da sie während des Untergangs noch einige Zeit am Horizont entlangwandert und uns ins Gesicht scheint.

Oben am auch wegen seiner zahlreichen Kehren stark frequentierten Passo Falzarego dann erneut runter von der GS. Schnell eine nahe gelegene Treppe rauf und nochmals ein Foto der Gruppe erhascht (Bild), mit dem Pass im Hintergrund. 

Der dem Passo Falzarego nahe gelegene Passo Val-parola ist kurz darauf schnell erreicht, passiert und mit Bärbel und Peter im Vordergrund prominent abgelichtet.


Abwärts geht’s. Und gleich wieder aufwärts in die Berge, hinauf zum Passo Gardena. Er bildet für heute den krönenden Pässe-Abschluss, denn die Sonne ist inzwischen selbst an den westlich gelegenen Hängen schon untergegangen und die Temperatur sinkt dabei deutlich. Zum Glück ist unsere Unterkunft nahe! Also ab ins Hotel, wo auch heute südtiroler Spezialitäten und ein weiterer geselliger Abend auf uns warten.

DIE RÜCKFAHRT

Schon ist Sonntag, Abreisetag aus Ortisei für uns alle. Einige haben sich für Montag noch arbeitsfrei genommen, planen daher auf der Rückreise an einem weiteren Tour-Tag.

Beate und Max etwa möchten über den Passo Gardena heimfahren.
Bärbel und Peter zieht es noch für einen Tag ins Österreichische.
Manuela und Domenico fahren ins Trentino.
Justus, Theo und ich schließlich wählen den Heimweg. Aber nicht direkt, denn auch hier gilt für uns: Der Weg ist das Ziel!

Ortisei verlassend begeben wir uns westwärts haltend in Richtung Brenner. Wir bemerkten bei der Abfahrt, dass es Theos Adventure ein wenig an Öl mangelt, deshalb fahren wir auf der parallel zur Autobahn verlaufenden SS12 Richtung Bozen.

An ihr finden wir reichlich Tankstellen und somit Nachschub für Theos Causa – so dachten wir. Doch am Sonntag ist an den Tanken in Italien Selfservice angesagt, selbst größere Tankstellen sind unbesetzt. Unsere Gesichter werden immer länger, da fasst Justus einen Plan: Im nahen Frangart lebende gute Bekannte von ihm könnten uns doch sicher einen Tipp geben.

In Frangart angekommen bestellen wir im Hotel von Justus Bekanntem einen Kaffee und Justus schildert unser Problem. Der Gefragte hilft spontan mit einem Kanister Öl aus, somit steht nach der Ölstands-Korrektur (Bild) einer sorgenfreien Weiterfahrt nichts mehr im Weg.


Nach Bozen am Schloss Runkelstein entlang nördlich haltend geht es für uns nun über das Penser Joch durch Sterzing rauf zum Brenner. Die Alte Brennerstraße leidet meist unter dem starken Verkehr, so auch heute. Wir haben das jedoch vermutet und deshalb verabredet, in Matrei über Ellbögen nach Innsbruck einzufahren (Bild).


Die kleinen Nebenstraßen zu wählen, ist an sich eine gute Idee. Heuer ist für uns in Patsch jedoch Schluss: Vollsperrung wegen der ausgerechnet heute in Innsbruck stattfindenden Straßenrad-WM. Nun ist für uns guter Rat teuer.

Üben wir uns also in Geduld, bis die sicher noch dauernde Sperrung aufgehoben wird? Oder fahren wir weiter auf der von der Polizei strikt vorgegebenen Route über die Autobahn? Die dritte Alternative lautet retour nach Matrei und dort die Alte Brennerstraße nehmen.

Um das zu entscheiden (und weil Justus und Theo wahre Naschkatzen sind!!!), setzen wir uns erst einmal in einen Biergarten und bestellen Nervennahrung. Letztendlich ist auch in diesem Fall die Autobahn für uns keine Überlegung wert. Und da nach wie vor ungewiss ist, wann die Sperrung aufgehoben wird, entscheiden wir uns für die Rückkehr nach Matrei und folgen dann der Alten Brennerstraße.

Innsbruck ist darauf schnell erreicht und durchquert. Bevor es über den Zirler Berg geht, werden die Rösser noch vollgetankt und die nächste Verabschiedung steht an. Justus und Theo wollen nun zügig heim, also über Garmisch. Mich reizen noch die Kurven am Kesselberg – fatalerweise!

Schon den Zirler Berg rauf schiebt sich bei regem Gegenverkehr eine Kolonne, da besteht zum Vorbeifahren kaum eine Chance. Doch irgendwann ist auch das Hindernis überwunden, die Grenze erreicht und ruckzuck finden wir uns auf der B2 wieder.

Beim Abzweig auf die B11 bleiben wir dann doch zusammen und so geraten wir gemeinsam in einen schon vor dem Walchensee beginnenden laaaangen Stau. Auto an Auto, Stop and go – das ganze oft unter Schritttempo. Wir schlängeln uns so gut es geht durch, verlieren in der Enge aber den Justus. Und auch Theo ist mit seiner Koffer-bewehrten Adventure in diesem Parcours gehandikapt, er wird in meinem Rückspiegel immer kleiner. Warten ist für mich jetzt aber keine Option mehr! Also weiter durchschlängeln bis zur Wurzel des Übels, einer per Ampel geregelten Baustelle am Kesselberg.

An den Autos vorbeimogelnd erreiche ich die Ampel zwar als erster, jedoch genau am Beginn einer Rotphase. Während ich also auf der Pole-Position stehe und warte, sehe ich im Rückspiegel eine dreistrahlig leuchtende GS näherkommen: Theo!

Zusammen geht es für uns nach dem Umschalten der Ampel auf der B11 noch fast bis Wolfratshausen, dann ist aber endgültig Schluss mit den Gemeinsamkeiten – Theo zieht es in den Westen Münchens, mich in den Norden.

Schöne Tage liegen hinter uns, bleibt abschließend noch das DANKE für die Orga an Peter – aber auch in die Runde für die herrlichen gemeinsamen Stunden!

Gespannt freue ich mich schon auf die nächsten Ausfahrten mit euch: Micha