Nebulöse Tour

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Freitagnachmittag, Anfang November.
Ich tüftle gerade an einer IT-Lösung als das Telefon klingelt.
Nach dem Abheben meldet sich Bruno:
“Hallo Micha, Flo und ich wollen morgen ein paar kleine Wege erkunden. Hast du Interesse und Zeit?” “Klar,” antworte ich. “Sehr gerne.”
Obwohl ich meine Terrasse unbedingt vom Laub befreien muss.
Obwohl ich überhaupt nicht weiß, was für Wetter vorhergesagt wird.
Obwohl ich meiner GS dringend etwas Pflege und vor allem neues Schuhwerk angedeihen sollte.
“Wann wollt ihr starten?”
“Na ja, ist morgens ja schon recht kühl. Und bei uns hält sich der Morgennebel hartnäckig, sagen wir 10:15 Uhr?”
Ich sage zu und überdenke anschließend meine Wochenend-Pläne.
Abends ruft Bruno erneut an:
“Du, wir verschieben den Start auf halb elf – OK?”
Ist mir mehr als recht, kann ich so wenigstens morgens daheim noch das Herbstlaub zusammenharken.


Als ich Samstag in der Früh aus dem Fenster das pure Novembergrauen sehe, bedauere ich meine Zusage. Das ist für mich kein Wetter zum spaßigen Touren. Während ich so im Laub rumharke und über eine Absage nachdenke, rappelt mein Handy: “Ich bin’s, Bruno! Wir verschieben den Start auf elf Uhr, hier herrscht wegen der Nähe zum Speichersee immer noch dichter Nebel.” “Passt” antworte ich und hoffe, dass die Wettervorhersage mit ihrer Behauptung “In den höheren Lagen ist viel Sonnenschein zu erwarten” eintrifft.


Pünktlich um elf treffe ich bei Bruno ein, direkt nach mir auch Flo. Bruno und seine Frau begrüßen uns und Gaby drückt uns die Daumen, dass es im Tagesverlauf aufklart. Wir starten in den Nebel – und schon nach ein paar Minuten wird es schmutzig. Bruno führt uns auf verlockende Abwege, wovon er etliche zu kennen scheint. Hier mal rechts ab, da ein verheißender Feldweg, dort ein kleines Wäldchen. Und dann kommt ein kurzer, grasbewachsener Anstieg. Bruno und Flo huschen da hoch und verschwinden hinter der Kuppe. Meine GS aber schwänzelt mehrmals hin und her und das magere Profil lässt die Räder komplett durchdrehen. Kurzum stehe ich und komme trotz mehrerer Versuche nicht mehr vorwärts. Während ich tue und mache ist Flo zurück und schiebt mich an – alles passt!

Ruckzuck sind zwei Stunden um und wir landen in Sankt Wolfgang. Bruno stoppt an einer Metzgerei, denn Flo hatte vormittags schon mehrfach den Wunsch nach einer Leberkas-Semmel geäußert. Der Verkaufsraum war jedoch schon komplett leergefegt und der Metzger im Begriff, abzusperren. Auf Flo’s hungrige Nachfrage zauberte der freundliche Metzger aber noch ein paar lecker Semmeln zu Tage.

Nach der Weiterfahrt bleibt es kühl und verhangen, obwohl hin und wieder mal ein paar helle Bereiche am Himmel den Kampf der Sonne erahnen lassen.

Bruno führt uns weiter abwegig, längst sind die GSsen komplett verdreckt! Und der Nebel sorgt dafür, dass man zum einen nix sieht und zum anderen dauernd über das Visier wischen muss.
Ein paar Stopps legen wir noch ein, knipsen auch mal Fotos und werden dann von der Dämmerung eingeholt.
Die bietet uns noch einige Minuten mystischer Stimmung, als wir bei Hohenlinden einmal knapp aus dem Bodennebel auftauchen.

Zum Glück haben wir uns vom Wetter nicht abschrecken lassen, denn die Tour bot viel abenteuerliches, gelegentliche Sackgassen, eine Menge Abwechslung und viele feine, legale Wege – DANKE an Bruno für die Initiative und das Planen und an Flo für die echt kurzweilige Begleitung!

Micha


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