Im 3000 km entfernten Nordatlantik am Polarkreis war bereits 2017 Ziel des BMW GS Clubs. Nach nun fast 10 Jahren war es längst wieder Zeit, die Herausforderungen und das Abenteuer erneut anzugehen.
15 Clubmitglieder (Astrid, Marilee, Bernd, Haukur, Lu, Johann, Ossi, Marc, Georg, Klaus, Jürgen, Wolfgang, Reinhard, Marcel und Hans) – von 45 bis junggebliebenen 72 Jahren – machten sich mit 14 Bikes auf den Weg. Einige davon zum wiederholten Mal, viele andere als „Neulinge“. Ein Beleg dafür, dass GS-Fahren wie ein Jungbrunnen wirkt.
Dabei trifft bloßes Fahren die Situation nicht ganz. Viele Straßen auf Ísland sind (noch) naturbelassen, also Schotter, im Hochland sowieso. Und Hochland bedeutet steile Anstiege und Abfahrten, enge Kurven, steinige Pisten, Sandpassagen und natürlich Flussdurchfahrten. Ein Spielplatz also für GS-Fahrer …
Nach der Anmeldung zur 3-wöchigen Tour ab Anfang August 26 lief die Maschinerie an. In einigen Vorbereitungstreffen gab es regen Austausch. Anfänglich natürlich auch erste grobe Umrisse der Tagesetappen. Bald war klar: Die Hälfte der Zeit übernachten wir auf Campingplätzen, den Rest in Hotels. Camping ? Für manche absolutes Neuland. Diese mussten sich noch mit Zelt und Equipment ausstatten, profitierten aber von Tipps der alten Hasen. Von Anfang an war klar: Die Motorräder samt Gepäck werden in München bei einer Spedition in einen Container verladen und per Schiff vorausgeschickt.
Am 15. Juli war es dann soweit. Etwas Skepsis war vorhanden, aber alle 14 Bikes passten, als sei der Container dafür gemacht. Die Alukoffer und das Gepäck wurden im verbliebenen Platz von einer Spezialfirma professionell verstaut und verzurrt. Mit dem Flieger der Icelandair sollte es dann drei Wochen später hinterhergehen.
Die Spannung stieg täglich und keiner konnte es mehr so richtig erwarten. Aber am 5. August wurden wir erlöst. Im Hotel Klettur in Reykjavik trafen wir uns dann alle. Haukur, Marilee sowie Johann waren schon Tage zuvor vor Ort und löschten die Ladung. In Reih und Glied standen die Mopeds mit Gepäck bereits in der Tiefgarage. Toller Service, stand so gar nicht im Kleingedruckten!
Nach einer erholsamen Nacht und tollem Frühstück drückte jeder den roten Zauberknopf am rechten Lenker, um die Maschinen endlich zu starten. Addi, ein Isländer, der schon lange zum Clubinventar gehört, führte die Tour an und brachte uns zu einem Wasserkraftwerk. Dort gab es den ersten heißen Kaffee, den wir auch alle brauchten. Denn noch waren wir nicht an die Temperaturen und das nasse Wetter gewöhnt.
Weiter ging’s über die beeindruckende Wasserfälle (Seljalandsfoss und Skogafoss)
Ziel war der Ort Vik im Süden der Insel und der erste Campingplatz. Das Wetter stellte uns gleich auf die Probe: Es goss ohne Unterlass. Die Offroad-Tour zum Highland Center musste am nächsten Tag deshalb angepasst werden. In dieser Unterkunft konnten wir aber problemlos unsere Ausrüstung wieder trocknen.
Ein traumhafter Ritt am nächsten Tag durch eine wundersame Vulkanlandschaft wurde an der ersten Flussdurchfahrt jäh gestoppt. Reinhard war fast drüben, als ein gemeiner Stein im trüben Wasser sich querstellte und er samt Maschine abtauchte. Eigentlich nicht schlimm, aber seine Lufti machte danach keinen Mucks mehr. Wir haben alles vor Ort noch probiert, aber die Maschine blieb stur.
Mit einem etwas zu kurz geratenen „Abschleppseil“ wurde die leblose GS durch Schotter und Sand nach GS-Trophy-Manier bis zur Unterkunft abgeschleppt. Diagnose: Wasser im Anlasser und Motor. Ossi erklärte sich sofort bereit, im 100 km entfernten Selfoss geeignetes Motoröl aufzutreiben. Nach Öl- und Filterwechsel sprang die feine Dame wieder an und tat so, als sei nix gewesen 🙂
Mit Gepäck komplett aufgerüstet ging es am nächsten Morgen weiter. Endlich strahlte der Fixstern vom Himmel und alle freuten sich auf die nächste Etappe. Bis Georg, eigentlich an einer unkritischen Stelle, unvermittelt ins Schlingern geriet und sich mit der Maschine überschlug. Alle waren zuerst etwas geschockt, er gab aber gleich ein Zeichen, dass wohl Schlimmeres nicht passiert ist.
Bei Unfällen im Outback mit Motorrad wird nicht lange gefackelt und der Rettungshubschrauber aktiviert. Aus dem Krankenhaus in Reykjavik dann Entwarnung: ein paar Rippenbrüche, ansonsten soweit alles okay. Die ganze Aktion bekam am Abend auch den Nummer-1-Sendeplatz in den News.
Erleichtert, aber immer noch die Situation im Kopf, setzten wir die Fahrt fort. Wir teilten uns jedoch in zwei Gruppen auf. Über Routen, die selbst eingefleischten Isländern unbekannt waren, ging es in die Einsamkeit des Hochlandes. Anspruchsvolle Passagen mit schwierigen Flussdurchfahrten, die ohne Stützhilfen eigentlich nicht zu meistern waren. Über weite Strecken konnte der Track nur noch erahnt werden. Wohl der schwierigste Abschnitt der ganzen Reise, bedingt auch durch schweres Gepäck am Gefährt. Nicht ohne Kampfspuren am ein oder anderen Krümmer, auch so manche Dichtung blutete mit Öl. Am späten Nachmittag erreichten wir aber dann unseren nächsten Campingplatz.
Die nächsten beiden Tage hatten wir wieder eine feste Unterkunft, unweit vom König der Wasserfälle gelegen: dem legendären Dettifoss. Und weil auf dem Weg dorthin noch der Godafoss lag, nahmen wir den auch noch mit.
Am Abend dann wurde der Grill aktiviert und bestes Lammfleisch bis auf den Punkt gegart. Addi hatte für die ganze Mannschaft für zwei Tage eingekauft, natürlich inklusive Hopfengetränke.
Am nächsten Tag wieder ins Hochland an Askia vorbei bis an den Vatnajökull-Gletscher. Wer bis dahin geglaubt hatte, den Zenit schwieriger Offroadstrecken überwunden zu haben, sah sich aber sowas von enttäuscht. Von langen Sandpassagen bis grobsteinigem Untergrund, alles dabei. Kaum einer, der die Maschine nicht mal kurz auf die Seite legen musste, um durchzuatmen. Von den vielen Flussüberquerungen ganz zu schweigen. Bevor es auf das selbst ansässigen Rangern unbekannte Teilstück ging, gab es aber mitten im Hochland noch gegrillte Hotdogs. Eine irgendwie abgefahrene Szenerie.
Leichter Regen begleitete uns am nächsten Morgen und an einem urigen Café machten wir Stopp und wärmten uns auf. Auf der weiteren Fahrt auf Gravel tuschierte Wolfgang beim Vorbeifahren den Koffer von Hans und kam derart aus dem Gleichgewicht, dass er sich und seine „Pepsi“ im Graben „parkte“. Gott sei Dank ist ihm nichts passiert und die Fahrt konnte nach kleinen Reparaturarbeiten weitergehen.
Ein Naturschauspiel der besonderen Art stand uns noch bevor: eine Sonnenfinsternis, die auf Island an unserer Position fast 100 % Überdeckung versprach. Rechtzeitig hatten wir unseren Beobachtungsposten gefunden, uns mit Spezialbrillen ausgestattet und gaben uns der Situation hin 😎.
Am nächsten Morgen ging’s von unserer Unterkunft zu einem nahegelegenen Brutplatz der Papageientaucher. Diese lieblich anzuschauenden Vögel sind das Wahrzeichen von Island und eigentlich ein Muss für das Kameraobjektiv. Insofern kann man sich glücklich schätzen, überhaupt welche aus kurzer Distanz zu beobachten.
Eine kleine Gruppe konnte nicht genug Offroad bekommen und hat sich wieder auf den Weg gemacht, die ein oder andere Bucht zu erkunden. Weit draußen am Umkehrpunkt die nächste Überraschung: Jürgens KTM hatte plötzlich keinen Luftdruck mehr im Vorderreifen. Zudem löste sich der Mantel vom Felgenrand. Egal was wir probierten, die Luft entwich sofort wieder aus den sich ergebenden Spalten.
Was tun, über 30 km von der Zivilisation entfernt? Mehr oder weniger nur auf der Felge fahrend versuchte Jürgen, die Strecke zurück über zwei steile Bergpässe zu erklimmen. Niemand in der Gruppe hätte auch nur annähernd geglaubt, dass das möglich sei. Aber irgendwie schaffte er das Kunststück bis zum Ort unserer Unterkunft. Ossi erklärte sich wieder einmal bereit, das ausgebaute Vorderrad am nächsten Morgen in die 75 km entfernte Stadt zur Reparatur zu bringen.
Das Wetter war nicht besonders bikerfreundlich vorausgesagt und wir hatten uns deshalb in drei Gruppen eingeteilt.
Eine, die nur auf Asphalt zum Campingplatz fährt, und eine, die die Passstraße Hellisheidieystri (F917) mit Schotter probiert. Ossi, eben noch mit dem Reifen beschäftigt, bildete mit ein paar „Reifenmechanikern“ die dritte Gruppe. Je näher wir der Bergauffahrt kamen, umso feuchter und windiger wurde es. Vorher noch schnell die Regenhose übergestreift und schon konnte es losgehen. Aber bereits nach der dritten Kurve mussten wir abbrechen. Ein derartiger Fallwind, dass wir die Mopeds fast nicht mehr halten konnten. Schnell war klar: Die Fahrt ist hier zu Ende.
Die Schlacht gegen den Berg haben wir heute verloren. Es half nix, wir mussten umkehren und den Umweg von 130 km in Kauf nehmen. Mit mächtig Speed ging’s Richtung Campingplatz. Aber nicht, ohne vorher noch in einem kleinen schnuckeligen Café abzusteigen.
Schnell war das Zelt dann aufgebaut und die ein oder andere Leckerei zubereitet.
Das ließ sich der isländische Club nicht nehmen: Unseren GS Club zu einem köstlichen Abendessen auf dem nächsten Campingplatz einzuladen. Natürlich haben wir uns mit auf Island dubios eingeführten Paulanerfässern am Gelingen der Party beteiligt. Sicher ist sicher, bevor es nur „Öl“ zur Auswahl gab J. Das Wetter wie bestellt. Zuvor ging es noch an die ein oder andere Sehenswürdigkeit der Nordküste entlang. Selbstredend war es dann wieder ein langer Abend und intensiver Austausch mit unseren einheimischen Freunden.
Am nächsten Tag war Aufbruch und es gab wieder zwei Gruppen: Straße und Gravel. Das Gepäck konnte diesmal in einem Anhänger zum nächsten Campingplatz transportiert werden. Abfahrt war eigentlich um 10:00, aber Millionen Fliegen (die nicht stechen) machten uns das Leben zur Hölle und so fuhren wir schon um 9:30 los.
Erst etwa 30 km auf der Ringstraße, bis es dann ins Gelände ging. Anspruchsvoller grober Schotter, immer mal wieder größere Steine im Weg. Dann extrem steile Auffahrten und schwierige, satt mit Wasser gefüllte Furten. Mit uns fuhr der Isländer Siggi, der nebenberuflich Enduro fährt und sich im Terrain spielte.
Irgendwann aber wurde es besser und es kam sowas wie Genuss auf. Das Ganze gekrönt mit einem Sprung in einen natürlichen Hotpot. Gut für die alten Knochen und verspannte Muskeln.
Nach einem Kaffee dort ging es dann weiter. Waren die bisherigen Wasserdurchfahrten schon nicht ohne, mussten wir noch eine mit Gletscherwasser gefüllte und somit tiefe Durchfahrt meistern. Hinzu kam hier die doch recht starke Strömung, die uns etwas vom idealen Kurs abtrieb.
Letztendlich meisterten wir alle die Überquerung, obgleich gefühlt das ganze Wasser sich nun in unseren Stiefeln befand ….
Nach dem Frühstück war „Schlauchbootfahren“ angesagt. Das wird direkt am Campingplatz angeboten. Nachdem wir in Neopren gehüllt sowie mit Schwimmweste und Helm ausgestattet waren, ging es mit einem Bus etwa 30 min. stromaufwärts zum Startpunkt. Immer mal wieder erhaschten wir einen zweifelnden Blick auf die graue flüssige Gletscherurgewalt.
Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung und mit einem Paddel in der Hand ging es auch schon los. Erst etwas mit mulmigem Gefühl, aber der Spaß ließ nicht lange auf sich warten. Durch enge Fahrrinnen zwischen steil aufragenden Felsen. Immer mal wieder starke Stromschnellen, die das kalte Wasser über die Insassen verteilten.
An zwei Sammelstellen machten die insgesamt drei Boote halt. Einmal für heißen Kakao. Das Wasser dafür wurde ohne Aufkochen einfach aus dem Boden geschöpft. Irgendwie abgefahren. Beim zweiten Stopp konnte, wer wollte, von einem etwa 3 m hohen Felsvorsprung in die eiskalten Fluten springen. Eigentlich ein Muss, nass waren wir alle eh schon … Marcel überraschte mit einem spektakulären Backflip ins eiskalte Wasser
Heute standen knapp 400 km auf dem Programm. Deshalb Abfahrt schon um 8:00. Bis dann alle in den Startlöchern standen, war es dann doch fast 8:30 😳 …
Zu Beginn diesig und leichter Nieselregen. Knapp über 0 Grad. Die Kälte bahnte sich ihren Weg, egal wie viele Lagen man anhatte. Nach dem ersten Stopp mit drei heißen Kaffees klarte es auf und die Temperaturen erreichten bis 17 Grad. Mittlerweile an Islandtemperaturen gewöhnt, bedeutet das sofort Schwitztemperatur 🥵 …
Der zweite Kaffee-Stopp war dann in Holmavik.
Am wirklich schön gelegenen Campingplatz angekommen, zog es uns wieder direkt in den Hotpot. Danach noch den Brenner angeschmissen und was Leckeres gekocht. Andere haben das ansässige Restaurant probiert.
Am nächsten Morgen war um 8:45 das Briefing und 9:00 Abfahrt. Kein Regen, aber auch keine Sonne. Mittlerweile hat man sich an die Temperaturen um 5 Grad am Morgen gewöhnt 🥶. Bis zum Campingplatz war das meiste auf Teer. In Isafördur noch getankt, Kleinigkeiten eingekauft und natürlich einen heißen Kaffee getrunken. Danach ging es unweit mit den Mopeds auf einen Berg mit Aussicht. Normalerweise, denn oben am Ausguck zog Nebel über die Bergflanke.
Von dort zum Campingplatz, aber nicht um vorher noch eine heiße Schokolade in Flateyri zu trinken. Jetzt schnell das Zelt aufbauen und alle Koffer vom Bike entfernen. Eine Gruppe hat sich noch am Nachmittag die ominöse F622 vorgenommen. Diese angeblich gefährlichste Straße auf Island gehört zum Standardprogramm.
Die F622 ist eine extrem anspruchsvolle und spektakuläre Küstenpiste in den Westfjorden Islands. Sie führt nahe Þingeyri um die Halbinsel Svalvogur und verläuft teilweise direkt am Fuß steiler Klippen im Gezeitenbereich. Ebbe ist dabei Pflicht.
Mit der GS gut zu fahren. Mittendrin ein Stück von etwa 200 m mit fußballgroßen losen Kieselsteinen „gepflastert“. Wir haben uns an dieser Stelle gegenseitig geholfen und diese dann auch mit hohem, schweißtreibendem Puls gemeistert.
Nach drei Stunden waren wir wohlbehalten wieder am Zeltplatz. Direkt ging es unweit dann zum Fischsuppenessen.
Am nächsten Tag waren ein paar leichte Touren angesagt, zuerst ging es zum nahegelegenen Dynjandisa-Wasserfall. Ein Touristenmagnet, nun kommen sie schon mit Ausflugsdampfer. Mittlerweile bis zum Parkplatz geteert und auch hier wird nun eine Gebühr verlangt.
Am Abend sind wir dann noch mit den Isländern zum Fischessen nach Isarfördur gefahren. Der Gastwirt dort hielt erst eine Rede und dann ging es mit einer Fischsuppe auch schon los. Danach wurde das Buffet eröffnet und über 10 verschiedene Fischarten standen zur Auswahl bereit. Lecker! Nicht einfach ein Essen, vielmehr ein tolles Erlebnis …
Der nächste Tag stand im Zeichen eines Transfertages. Dennoch etwas Besonderes. Nämlich der letzte Campingtag überhaupt, bevor es wieder ins Hochland geht.
Die Fahrt war unspektakulär, da das meiste auf Teer. Zudem waren die Berge wolkenverhangen und die Sicht verhalten. Auch hat sich leichter Niesel eingestellt. Nach einem Zwischenstopp mit heißer Schokolade waren wir auch schon bald am Campingplatz. Beim Blick in den Himmel und aufs Wetterradar war es um die meisten geschehen.
Am Ende blieben drei Biker übrig, die ihr Zelt aufschlugen. Der Rest hat sich hier oder im Nachbarort ein Zimmer genommen 😳. Na gut, das Wetter soll über Nacht wirklich eklig werden. Ein nasses Zelt zu verpacken ist kein Traum.
Um sich an die Feuchtigkeit zu gewöhnen, sind einige gleich erstmal in den Hotpot gesprungen 😃.
Auf das Wetterradar ist Verlass. 100-prozentig! Das Trommeln auf der Zelthaut ließ daran auch keinen Zweifel. Es regnete die ganze Nacht und die Hoffnung, dass wenigstens beim Zeltabbau sich ’ne Wolkenlücke auftat, verpuffte sofort.
Wie immer, um 9:00 war Abfahrt. Alles, was für Biker als Regenschutz konzipiert wurde, hat man heute zur Schau getragen. Ging nicht anders. Der isländische Regen hat uns so richtig gezeigt, was er draufhat.
Nicht genug, hat er all seine Freunde eingeladen, um uns mächtig zu ärgern. Orkanartiger Seitenwind, der die Mopeds unwillkürlich in Schräglage versetzte. Aber der Angriff galt uns Bikern nicht alleine. Einen kompletten LKW mit Aufleger hat es von der Straße gefegt 😳.
Zum Sturm gesellte sich dann noch extremer Nebel. Von jetzt auf gleich war der Vordermann davon verschluckt und man stand schon auf der Bremse. Dass das Ganze nicht bei lauen Temperaturen vonstatten ging, muss nicht erwähnt werden. Um die 10 Grad waren heute Spitzenwerte. In Borganes haben wir für die nächsten drei Tage eingekauft und uns danach bei einem Café noch aufgewärmt.
Eigentlich hätte es heute eine tolle Strecke mit einigen Sehenswürdigkeiten gegeben. Vieles auch auf Schotter. Wir haben uns aber unter diesen Bedingungen für eine Alternative aus Asphalt entschieden. Sicher und schnellstens ankommen hieß die Devise. Gegen 15:30 empfing uns Skuli dann in seinem Reich. Ein isländischer Bikerfreund, der uns die letzten drei Übernachtungsmöglichkeiten anbietet, bevor es wieder nach Reykjavik geht. Ein für uns perfektes Haus mit Küche. Zudem für jeden ein Einzelzimmer. Der gemütliche Teil des Tages konnte beginnen.
Nach einer erholsamen Nacht ging es am Morgen zunächst ein Stück auf der Touri-Strecke „Golden Circle“. Zuerst in ein Freilichtmuseum. Unser Kulturkonto war im Minus und wir haben uns die Erklärungen einer jungen fachkundigen Führerin, die das einfache Leben in einem Gehöft um 1100 erläuterte, interessiert und geduldig angehört.
Das Gebäude entstand nach dem Vorbild eines nahe gelegenen Hofes, der vermutlich beim Ausbruch des Vulkans Hekla im Jahr 1104 unter Asche begraben wurde. Auf einem Fundament aus Natursteinen wurden massive Wände aus aufgeschichteten Grassoden und Erde errichtet.
Das dicke Torfdach schützte die Bewohner vor Wind, Regen und der isländischen Kälte. Im Inneren bekam man eine gute Vorstellung davon, wie die Menschen damals lebten.
Nun aber zum Gulfoss. Einer der schönsten Wasserfälle Islands. Unweit davon zum Geysir. Beeindruckend, wie und wo es überall aus dem Boden blubbert und dampft. Marcel hatte Probleme mit der Motortemperatur und schnell war klar, dass der Kühlflüssigkeitsbehälter leer war. Hat sich dieses dünn gemacht, als die Maschine mal auf der Seite lag und alle Füße nach oben streckte? Destilliertes Wasser war am Sonntag nicht zu bekommen. Aber das normale Wasser auf Island ist ein guter Ersatz dafür. 1 Liter davon verabreichten wir der 850er GS und der Motor kam nicht mehr ins Schwitzen. Check!
Danach ging es auch wieder zurück zur Unterkunft. Denn heute Abend hat uns der isländische Club wieder zum Abendessen eingeladen. 50 isländische Biker haben sich angekündigt. Um 18:00 stieg die Party und es war ein Hochgenuss! Erst gab es ein Abendessen, danach einen Musikanten mit Gitarre, der abwechselnd isländische und englische Klassiker auf Gitarre spielte. Ja, die Isländer wissen zu feiern … 😳. Einfach Klasse und uns wurde allen bewusst: Das Ganze hier ist nicht nur eine Motorradreise auf Island. Vielmehr ist es ein unvergessliches Erlebnis, was wir hier gebucht haben. Mit Isländern zu feiern und zu singen ist schon was Einmaliges.
Am nächsten Morgen sah das Wetterradar gar nicht so schlecht aus. Gegen 11:00 sollte das Gröbste vorbei sein, und dann fuhren wir auch. Eine spektakuläre Runde um den Vulkan Hekla. Er ist der Zentralvulkan einer 40 km langen Vulkanspalte und mindestens 6600 Jahre alt. Der Berg gehört zu den drei aktivsten Vulkanen Islands. Entsprechend sieht das Umfeld auch aus. Erstarrte Lavafelder, durch die sich eine schöne Offroad-Straße schlängelte.
Oft sehr gut zu fahren, aber immer mal wieder Sandpassagen, die die volle Konzentration erforderten. Natürlich hat es die meiste Zeit geregnet, was das Blickfeld durch das Visier enorm einschränkte. Nach kleinen Pausen kamen wir an einem erloschenen Vulkan vorbei und just in diesem Moment spannte sich ein fantastischer Regenbogen im Vulkankegel auf. Diese eine Szene ließ die ganze Strapaze in Nullkommanix vergessen. Eine halbe Stunde später waren wir wieder auf Teer und kurz nach 15:00 in unserer Unterkunft.
Am nächsten Morgen war eine seltsame Stimmung. Jeder wusste natürlich, dass es das letzte gemeinsame Frühstück auf der Island-Tour ist. Die Gedanken waren schon halb auf der Rückreise. Auch wurden die gewonnenen Erfahrungen der letzten drei Wochen wieder aufgewärmt. Punkt 8:30 verließen wir unsere Unterkunft, in der wir drei schöne Tage hatten. Die Richtung war klar, nämlich Kurs auf Reykjavik. Einen Abstecher machten wir dennoch zur berühmten Silfra-Spalte im Thingvellir-Nationalpark. Dort, wo sich die Kontinentalplatten aneinander reiben und zur Wikingerzeit Schlachten ausgefochten wurden.
Weiter ging’s danach zum Containerhafen nach Reykjavik.
Haukur hatte schon alles arrangiert. Mit Spezialwesten ausgestattet fuhren wir zu unserem Container, der brav die drei Wochen auf uns gewartet hatte. Dann ging alles sehr schnell. Eine Maschine nach der anderen wurde mit Gurten festgezurrt. Am Ende dann die gefühlt tausend Koffer und Taschen von uns allen. In Summe waren es dann doch vier Stunden, bis die Tür des Containers verschlossen wurde. Beim Anblick der Riesenstapler, die die tonnenschweren Container wie Spielzeug hantieren, darf man nicht näher darüber nachdenken, in welchen Schräglagen diese transportiert werden … 😳
Äh, wo sind denn nur die drei Wochen auf Island geblieben?? Die vielen Erlebnisse werden sicherlich noch lange nachwirken.
Island hat es uns wahrlich nicht einfach gemacht und uns hart geprüft. Oft hat es geregnet, und die niedrigen Temperaturen luden nicht gerade dazu ein, morgens oder abends im Campingstuhl vor dem Zelt zu sitzen. Aber das ist Island – und wir haben das Beste daraus gemacht. Wir wurden für Wetter und Strapazen entschädigt: wenn wieder eine schwierige Wasserdurchfahrt gelungen war oder wir im Hochland angesichts überwältigender Aussichten nur staunen konnten. Augenblick, verweile, denn du bist so schön 🤩.
Island ist gnadenlos, grandios, anders, herausfordernd, nass, staubig, launisch, steinig, sandweich, schwarz, bunt, endlos und unberechenbar. Es bietet so viel, was es anderswo einfach nicht gibt.
Herauszuheben ist auch die Gastfreundschaft der isländischen Biker. Viele von ihnen kennen wir schon seit Jahren und haben die ein oder andere Jahrestour gemeinsam unternommen. Genau das machte diese Reise so besonders: die vielen BBQs mit dem isländischen Club und die Unterstützung, wenn es einmal schwierig wurde. Man fühlte sich einfach gut aufgehoben.
Extrem schade war der frühe Ausfall von Georg nach seinem Sturz. Aber auch hier waren die Freunde sofort zur Stelle. Ansonsten gab es nur technische Ausfälle – etwa nach dem Bad einer GS samt Fahrer im eiskalten Flusswasser. Oder die legendäre Fahrt einer KTM mit plattem Vorderreifen, eigentlich schon auf der Felge – über 30 km, zwei Bergpässe und natürlich Schotter inklusive. Meisterleistung!
Eine solche Tour erfordert gewaltige Planung und Vorbereitung. Diesbezüglich kann man Haukur gar nicht genug danken. Auch vor Ort zeigte er sein Organisationstalent, motivierte, wenn es schwierig wurde, und war immer zur Stelle, wenn jemand ins Straucheln kam. Bei den Flussdurchfahrten sprang er als Erster ins Wasser und checkte die Lage. Die eisenharten Wikingergene sind nicht zu leugnen – anders lässt sich das seelenruhige Verweilen mit eiskaltem Gletscherwasser in den Stiefeln kaum erklären.
Aber auch Johann und Lu legten sich für das Gelingen der Reise mit ihren Vorbereitungen mächtig ins Zeug. DANKE an Euch!!!
Danke für eure Bilder in diesem Beitrag.
Uns hat es riesigen Spaß gemacht und wir haben viele Facetten der Insel erlebt. Eine besondere Reise und ein einmaliges Erlebnis ❤️ …