Die geheimnisvolle Insel im 3000 km entfernten Nordatlantik am Polarkreis war bereits 2017 Ziel des BMW GS Clubs. Nach nun fast 10 Jahren war es längst wieder Zeit, die Herausforderungen und das Abenteuer erneut anzugehen.
15 Clubmitglieder – von 45 bis junggebliebenen 72 Jahren – machten sich mit 14 Bikes auf den Weg. Einige davon zum wiederholten Mal, viele andere als „Neulinge“. Ein Beleg dafür, dass GS-Fahren wie ein Jungbrunnen wirkt.
Dabei trifft bloßes Fahren die Situation nicht ganz. Viele Straßen auf Ísland sind (noch) naturbelassen, also Schotter, im Hochland sowieso. Und Hochland bedeutet steile Anstiege und Abfahrten, enge Kurven, steinige Pisten, Sandpassagen und natürlich Flussdurchfahrten. Ein Spielplatz also für GS-Fahrer …
Nach der Anmeldung zur 3-wöchigen Tour ab Anfang August 26 lief die Maschinerie an. In einigen Vorbereitungstreffen gab es regen Austausch. Anfänglich natürlich auch erste grobe Umrisse der Tagesetappen. Bald war klar: Die Hälfte der Zeit übernachten wir auf Campingplätzen, den Rest in Hotels. Camping ? Für manche absolutes Neuland. Diese mussten sich noch mit Zelt und Equipment ausstatten, profitierten aber von Tipps der alten Hasen. Von Anfang an war klar: Die Motorräder samt Gepäck werden in München bei einer Spedition in einen Container verladen und per Schiff vorausgeschickt.
Am 15. Juli war es dann soweit. Etwas Skepsis war vorhanden, aber alle 14 Bikes passten, als sei der Container dafür gemacht. Die Alukoffer und das Gepäck wurden im verbliebenen Platz von einer Spezialfirma professionell verstaut und verzurrt. Mit dem Flieger der Icelandair sollte es dann drei Wochen später hinterhergehen.
Die Spannung stieg täglich und keiner konnte es mehr so richtig erwarten. Aber am 5. August wurden wir erlöst. Im Hotel Klettur in Reykjavik trafen wir uns dann alle. Haukur, Marilee sowie Johann waren schon Tage zuvor vor Ort und löschten die Ladung. In Reih und Glied standen die Mopeds mit Gepäck bereits in der Tiefgarage. Toller Service, stand so gar nicht im Kleingedruckten!
Nach einer erholsamen Nacht und tollem Frühstück drückte jeder den roten Zauberknopf am rechten Lenker, um die Maschinen endlich zu starten. Addi, ein Isländer, der schon lange zum Clubinventar gehört, führte die Tour an und brachte uns zu einem Wasserkraftwerk. Dort gab es den ersten heißen Kaffee, den wir auch alle brauchten. Denn noch waren wir nicht an die Temperaturen und das nasse Wetter gewöhnt.
Weiter ging’s über beeindruckende Wasserfälle (Seljalandsfoss und Skogafoss) zum kleinen Ort Vik im Süden der Insel und zum ersten Campingplatz. Das Wetter stellte uns gleich auf die Probe: Es goss ohne Unterlass. Die Offroad-Tour zum Highland Center musste am nächsten Tag deshalb angepasst werden. In dieser Unterkunft konnten wir aber problemlos unsere Ausrüstung wieder trocknen.
Ein traumhafter Ritt am nächsten Tag durch eine wundersame Vulkanlandschaft wurde an der ersten Flussdurchfahrt jäh gestoppt. Reinhard war fast drüben, als ein gemeiner Stein im trüben Wasser sich querstellte und er samt Maschine abtauchte. Eigentlich nicht schlimm, aber seine Lufti machte danach keinen Mucks mehr. Wir haben alles vor Ort noch probiert, aber die Maschine blieb stur.
Mit einem etwas zu kurz geratenen „Abschleppseil“ wurde die leblose GS durch Schotter und Sand nach GS-Trophy-Manier bis zur Unterkunft abgeschleppt. Diagnose: Wasser im Anlasser und Motor. Ossi erklärte sich sofort bereit, im 100 km entfernten Selfoss geeignetes Motoröl aufzutreiben. Nach Öl- und Filterwechsel sprang die feine Dame wieder an und tat so, als sei nix gewesen.