Spontanentscheidung mit Langzeitwirkung

Mit dem Bike durch den Oman – oh Mann, das stand schon ewig auf meiner To-do-Liste. Durch Zufall sah ich eine Reportage, und keine zwei Tage später waren Flug und eine BMW F 800 GS gebucht. Warum warten? Der omanische Winter mit angenehmen 25–30 Grad ist nahezu perfekt zum Motorradfahren.

Anfang Dezember 2025 ging es los. Die GS wurde in den VAE in Dubai gemietet – im Oman selbst fand sich kein passendes Angebot. Also nutzte ich die Gelegenheit für zwei Tage Sightseeing in Dubai, bevor das eigentliche Abenteuer begann.

VAE – Oman, Begegnungen und ein erstes Blind Date

Nach der Bike-Übergabe ging es direkt Richtung Oman.

An der Grenze schloss ich noch eine Haftpflichtversicherung ab, die restlichen Dokumente hatte der Verleiher bereits organisiert – der Grenzübertritt verlief so entspannt und unkompliziert.
Mein erstes Tagesziel war Ibri. Dort wollte ich Ahmed treffen – ebenfalls begeisterter GS-Fahrer (1200 GS Adventure AC). Ein echtes Blind Date, vermittelt durch Marion aus dem Club. Wir kannten uns nicht, verstanden uns aber auf Anhieb. Stolz zeigte er mir seine Heimatstadt, und krönten unsere Begegnung mit einem großartigen Abendessen. Gerne würde er mich auf meiner Tour begleiten, hätte aber noch einiges die nächsten Tage dringend zu erledigen.

Berge, Wadis und ein kleiner Ausrutscher

Am nächsten Tag ging es Richtung Nizwa. Dort betreibt ein weiterer Ahmed – den ich von meiner Zentralasien-Tour über WhatsApp kannte – einen Campingplatz. Vorher aber zog es mich unbedingt in die Berge zum Jabal Shams. Eine traumhafte Offroad-Strecke mit phänomenalen Ausblicken, hinauf bis auf gut 2.000 Meter.

Ahmed musste kurzfristig nach Bahrain reisen und wir verpassten uns leider. Ich übernachtete dennoch auf seinem liebevoll angelegten Campingplatz, er hatte dort ein Zimmer für mich vorbereitet.

 

Nach einem Frühstück mit ausgezeichnetem Cappuccino besichtigte ich noch das alte Fort von Nizwa – zumindest kurz, mir war es in voller Motorradmontur am Morgen schon viel zu heiß. Also weiter Richtung Wadi Sumut. Dort passierte es: In einer wassergefüllten Senke rutschte das Vorderrad unvermittelt weg – Moos unter Wasser. Mir ist nichts passiert, die GS trug ein paar Kratzer davon, der linke Handschutz wurde mit einem Kabelbinder notdürftig fixiert.

Das eigentliche Wadi musste ich später abbrechen – mit Straßenreifen und tiefem Untergrund war Schluss. Also weiter Richtung Bidiyah, direkt an den Rand der Wüste mit ihren riesigen, rötlichen Dünen.

Wüste und Schildkröten

Das Wüstencamp war mit der GS nicht anfahrbar, nur mit 4×4 Fahrzeuge zu erreichen. Also bezog ich eine schön gelegene palmengesäumte Unterkunft direkt am Rand des Naturschauspiels.

 

Der Sonnenuntergang von einer Düne aus war schlicht magisch.

Innerhalb weniger Minuten bricht die Dunkelheit herein – Zeit für ein ordentliches Abendessen beim „Griechen“ um die Ecke.

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Osten an die Küste nach Ras al-Hadd. Eine echte Genusstour, komplett auf Asphalt, später direkt entlang des Meeres. Die Unterkunft wirkte von außen unscheinbar, entpuppte sich innen aber als echter Glücksgriff – ich hatte die gesamte Anlage für mich allein. 

Der Strand ist bekannt für die nächtliche Eiablage unzähliger Schildkröten. Wieder ein Tag voller besonderer Eindrücke.

Mascat und ein unerwartetes Wiedersehen

Ras al-Hadd markierte den östlichsten Punkt der Reise – Umkehrpunkt Richtung Westen, entlang der Küste zur Hauptstadt Mascat. Natürlich nicht ohne einen weiteren Abstecher in die Bergwelt mit herrlich zu fahrendem Offroad-Gelände und mit herrlicher Küstenlinie.

 

Meine Unterkunft lag in Old Mascat, im Regierungsviertel, nahe dem Oman Nationalmuseum. Für das Museum war es am Ankunftstag zu spät – aber nicht für hervorragenden Fisch in einem lokalen Restaurant.

Zurück in der Unterkunft dann die Überraschung: Ahmed aus Ibri stand plötzlich mit voll bepackter GS vor der Tür – inklusive doppelter Campingausrüstung. Er hatte ein paar Tage Zeit und wollte mich begleiten. Am nächsten Tag besuchten wir gemeinsam das beeindruckende Nationalmuseum – ein moderner Prachtbau direkt gegenüber dem Repräsentantenhaus des Sultans.

Gastfreundschaft, Grenzübertritte und viel viel Regen

Unser nächstes Ziel war Liwa, nahe der Grenze zu den VAE. Dort wohnt Ahmeds Cousin, bei dem wir übernachteten – inklusive traditionellem Abendessen auf dem Teppich im großen Empfangszimmer. Die meisten Häuser im Oman haben solche Räumlichkeiten. Dieses war etwa 50 qm groß und ringsum mit einer Sitzgelegenheit versehen. Dort werden nur männliche Gäste empfangen und bewirtet. Sowas ähnliches gäbe es aber wohl auch für Frauen.

 

Am nächsten Morgen wurde erneut groß aufgetischt. Nach dem feudalen Frühstück verabschiedeten wir uns vom herzlichen Gastgeber und es folgten mehrere Grenzübertritte. Zuerst zurück in die VAE um nur gut 2 Stunden später wieder in das Sultanat Oman einzutreten. Ein gewaltiger Sandsturm kündigte einen Wetterwechsel an. Es wurde deutlich kühler, und ausgerechnet an unserem Campingtag begann es zu regnen.
Offizielle Campingplätze gibt es nicht, aber Ahmed kannte einen Platz direkt am Strand. Leider sind omanische Zelte nicht für Regen gemacht. In der Nacht schwamm meine Luftmatratze, sämtliche Kleidung war durchnässt. Als am Morgen der Regen aufhörte lief Ahmed beim Zubereiten des Frühstücks in Hochform auf. Ach, wie ich diesen Kerl mag. 3x am Tag breitet er seinen Gebetsteppich aus und kniet sich nieder zum Gebet gen Mekka.

Regen als Startsignal

Als erneut erste Regentropfen fielen, war das gleichzeitig unser Startsignal zum Aufbruch. Ein Blick aufs Wetterradar verhieß nichts Gutes – im Gegenteil: Für die kommende Nacht war starker Regen angekündigt. Was für uns nach Schlechtwetter klang, ist für die Omanis ein echter Segen, denn solche Niederschläge hatte es seit Jahren nicht mehr gegeben. Für uns bedeutete das jedoch: Eine weitere Nacht im Zelt kam nicht infrage.

Umwege Richtung Dubai

Nach dem erneuten Grenzübertritt zurück in die VAE, orientierten wir uns Richtung Dubai und legten einen Zwischenstopp in Ra’s al Chaima ein. Am nächsten Morgen ließ der Regen gegen 10 Uhr langsam nach. Viele Straßen waren jedoch überflutet, einige sogar gesperrt. Die Verkehrslage war entsprechend chaotisch – Staus, Umleitungen und ein Navigationssystem, das alle Hände voll zu tun hatte, überhaupt noch eine halbwegs passierbare Route Richtung Süden zu finden.

Technik, Entscheidungen und ein Abschied

Aufgrund des Wetters entschied ich mich, das Motorrad einen Tag früher als geplant zurückzugeben. Zudem machte mir die Elektronik der GS zunehmend Sorgen: Immer wieder kam es zu Totalausfällen, manchmal sprang sie einfach nicht mehr an – komplett leblos.
Ahmed wollte in Dubai noch bei Touratech vorbeischauen, in der Hoffnung, eine Lösung für seinen undichten Frontdämpfer zu finden.

Reparaturen, wie wir sie aus Deutschland kennen, sind dort allerdings kaum möglich. Nach einem kurzen Besuch und einem netten Austausch mit Juan von Touratech hieß es schließlich Abschied nehmen. Ahmed hatte noch einen langen Weg vor sich und wollte heute noch zurück in seine Heimatstadt Ibri im Oman.

Die letzte Panne – und ein sauberes Ende

Vor der Rückgabe musste die GS noch vollgetankt werden. Doch beim anschließenden Startversuch war endgültig Schluss – kein Zureden, kein Trick half mehr. Die Verleihstation war glücklicherweise nur etwa zehn Minuten entfernt. Nach einem Anruf war Asrar, ein Mitarbeiter des Verleihers, schnell zur Stelle. Gemeinsam machten wir uns auf Fehlersuche und entlarvten schließlich eine defekte Sicherung als Übeltäter.

Beim Verleiher angekommen wechselte ich den Dress, erledigte die letzten Formalitäten und fuhr mit der Metro zurück in die gleiche Unterkunft wie zu Beginn der Reise. Nach zwei weiteren Tagen in Dubai ging es mit Air Arabia zurück nach München.

Das Urteil dieser Reise steht fest: Ich komme wieder!

Viele Grüße  Hans